Hochsicherheitsorganisationen – so wird der Begriff “High-Reliablility-Organization” übersetzt. Es sind solche Organisationen, die in einem hochriskanten Umfeld arbeiten, wo also unerwartete (Fehl-)Entwicklungen katastrophale Ergebnisse haben können (z.B. Atomkraftwerke). Das grundlegende Buch zum Thema von Weick und Sutcliffe habe ich schon einmal kommentiert.
Nun finde ich in einem sehr lesenswerten Artikel von Annette Gebauer und Ursula Kiel-Dixon finde ich folgende Formulierung:
“Der entscheidende Unterschied eines “High-Reliability-Organizing” besteht darin, dass Zuverlässigkeit nicht durch die Kontrolle stabiler Bedingungen entsteht. Stabile Leistungen entstehen durch die Flexibilisierung von Routinen und gleichzeitig dem starren Festhalten sowie derm Ausbau der Achtsamkeitspraktiken, die Schritt für Schritt die Unternehmens- bzw. Führungskultur beeinflussen.”
Achtsamkeitspraktiken – das sind letztlich die Fähigkeiten, auf unerwartete Situationen flexibel und angemessen zu reagieren. Gerade in einem Wirtschaftsunternehmen sind Planungen, Projektionen und Erwartungen sehr wichtig. Treten dann unerwartet Komplikationen auf, besteht die große Kunst darin, sich flexibel auf diese Veränderungen der Umwelt einzustellen und nicht an alten, starren Planungen festzuhalten. Ziele müssen dann überprüft und ggf. neu definiert werden. Die gerade abklingende (?) Wirtschaftskrise hat gezeigt, wie wichtig eine solche Flexibilität ist.
Der Titel des Aufsatzes von Gebauer/Kiel-Dixon fasst die richtige Haltung wunderbar zusammen: “Das Nein zur eigenen Wahrnehmung ermöglichen”. Wenn wir diese Haltung gewinnen, ohne uns dadurch zu blockieren, alles ständig zu hinterfragen, öffnet sich ein großer neuer Entscheidungs(spiel)raum.
Natürlich sehe ich auch hier wieder Verbindungen zum Qualitätsmanagement – z.B. zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der allerdings weniger dramatische Infragestellungen beinhaltet.
- aus aktuellem Anlass: heute gibt es in 3Sat einen Sonderbeitrag zu Schlingensief, der sehenswert zu werden verspricht. Ein paar Hinweise habe ich gestern ja schon auf der “Kunst”-Seite dieses Blogs gegeben.
In einem hervorragenden Artikel von Barbare Heitger und Annika-Nora Serfass in der von mir sehr geschätzten “Revue für postheroisches Management” wird Resilienz als positive Eigenschaft von Organisationen diskutiert.
Resilienz beschreibt die Fähigkeit, auch bei widrigen Umständen positive, widerstandsfähige Strukturen auszubilden. Ursprünglich kommt der Begriff aus den Naturwissenschaften und wurde später in die Sprache der Entwicklungspsychologie übernommen. Er ist gut übertragbar auf Organisationen bzw. soziale Konstrukte.
In der Hamburger Akademie befassen wir uns derzeit sehr intensiv mit EFQM als umfassendes qualitätsorientiertem Managementsystem. Ich habe den Eindruck, dass die Resilienz eines Unternehmens – die Fähigkeit also, “auf den (Zu-)Fall der Fälle vorbereitet zu sein, bevor man weiß, dass dieser eintritt” (Zitat aus dem Artikel) - massiv durch ein funktionierendes Qualitätsmanagement-System gefördert wird.
Viele der Kennzeichen resilienter Organisationen werden auch von einem QM-System gefordert. Die folgenden Punkte finden sich beispielsweise sinngemäß bei den Befähigerkriterien des EFQM:
* Ertragstreiber und Kernprozesse kennen
* Bewusstsein über relevante Umwelten
* Positive Haltung zu Fehlern
Besonders gut gefallen hat mir in dem Beitrag von Heitger/Serfass, wie sie Körperbilder genutzt haben. Resilienz vergleichen sie mit dem Immunsystem des Körpers, das sich auch im Laufe eines Lebens immer wieder verändert; und sie sprechen davon, dass resiliente Unternehmen ihre Verwundbarkeiten kennen. Diese organische Auffassung – im Gegensatz zu einer mechanischen – kommt meinem Verständnis einer dynamischen, entwicklungsfähigen Organisation sehr nahe.
Im Rahmen unseres Qualitätsmanagements haben wir uns im QM-Team entschlossen, eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen. Als Software wurde dabei evasys genutzt – das Programm hat sich auch bei unseren anderen Evaluationen / Teilnehmerbefragungen hervorragend bewährt und garantiert eine strenge Anonymität. Selbstverständlich wurde auch unser Betriebsrat in die Entwicklung der Fragen eingebunden.
Eine solche Befragung ist eine spannende Sache. Wenn sie etwas bringen soll, muss sie gerade die möglicherweise heiklen Punkte ansprechen. Entsprechend haben wir die Fragen formuliert, z.B.:
Wie zufrieden sind Sie mit der technischen Ausstattung Ihres Arbeitsplatzes?
Wie beurteilen Sie Fairness und Chancengleichheit im Unternehmen?
Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit in Ihrer Abteilung?
Wie zufrieden sind Sie mit der Führungskompetenz Ihrer / Ihres Vorgetzten?
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Gehalt?
Der Ball ist jetzt im Spielfeld, und wir sind gespannt auf die Ergebnisse. Ende August wird die Befragung – die online durchgeführt wird – abgeschlossen, und dann werden die Ergebnisse in einer Unternehmensversammlung vorgestellt.
Ich halte eine solche Befragung für sehr sinnvoll. Sie gibt jedem die Möglichkeit, seine Meinung frei zu artikulieren.Außerdem ist es für mich persönlich hochinteressant, ein solches Feedback zu erhalen. Und wenn es Probleme gibt, ist es immer besser, davon zu wissen und sie ansprechen zu können.
Ich gebe zu: Abends vor dem Notebook (oder dem uralten Fernseher) träume ich davon, einen GROSSEN Bildschirm zu haben. Gleichzeitig plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich das gedruckte Wort dann noch mehr vernachlässige. Aber – es gibt mittlerweile so viele wirklich guter (Lern-) Videos, dass hier eine echte Konkurenz entstanden ist.
Auf jeden Fall lohnt es sich, die website FreeVideoLectures zu bookmarken (der Hinweis kam aus dem interessanten ToolBlog von Stefan List). Es macht einfach Spaß, kluge Menschen beim verständlichen Erklären des Wissens der Welt erklären zu erleben. Über meinen Genuss bei TED habe ich ja schon berichtet.
Seit einiger Zeit stellen wir in der Hamburger Akademie fest, dass die Nachfrage nach der Bildungsprämie zunimmt. Die Details zu dieser Förderung sind auf einer sehr gut gemachten Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nachzulesen.
Nun ist es nicht das erste Mal, dass es eine Förderung von Weiterbilung durch die öffentliche Hand gibt. Bafög kennen aus Schule oder Hochschule sehr viele (Meister-Bafög schon weniger). Der Bildungsgutschein für Arbeitssuchende ist mittlerweile auch etabliert, bedarf aber einer aufwändigen Prozedur bei der Antragstellung. Sehr anspruchsvoll war und ist auch die Förderung nach WeGeBAU.
Damit wird schon deutlich, warum die Bildungsprämie funktioniert. Sie ist einfach zu beantragen, sie hat eine klare Zielgruppe und ist finanziell für unsere Interessenten attraktiv. So kann die dringend notwendige Weiterbildungsförderung gelingen.
Natürlich kenne ich diese merkwürdigen Geschirre, mit Hilfe derer manche Eltern ihre Kinder davor bewahren wollen, unkontrollierte Aktionen zu unternehmen, die beispielsweise im Stadtverkehr sehr gefährlich sein können. Ich bin kein großer Freund solcher Hilfsmittel, aber letztlich müssen das die Eltern selbst entscheiden.
In England bin ich jetzt auf ein genau gegensätzliches Problem aufmerksam geworden. Offensichtlich gibt es dort Eltern, die ihre Kinder alleine mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen. Alleine! In einem Fall, der in den englischen Zeitungen tagelang diskutiert wurde, hat das dazu geführt, dass sich andere Eltern beim Schulleiter beschwert haben; der musste nun die betroffenen Eltern auf ihre Unverantwortlichkeit hinweisen. Es ist zu befürchten, dass sich das Sozialamt einschaltet. Insbesondere, da die Eltern uneinsichtig sind.
Die Kinder, das sei zugegeben, waren noch relativ jung; acht bzw fünf Jahre alt. Die Entfernung? Ca. eine Meile, also 1,6 Km. Die Kinder wurden als “freilaufende Kinder” bezeichnet – das kennt man sonst nur von den Eierkartons, wenn man Eier glücklicher Hühner kaufen will.
Ich habe die Diskussion fasziniert und irritiert verfolgt. Es handelt sich übrigens um eine relativ teure Privatschule – und an solchen Institutionen (so einer der Kommentatoren) ist der Kampf um sozialen Status besonders heftig. Arme Kinder.
In der Presse wird wieder heftig diskutiert, ob wir eine Deflation oder eine Inflation bekommen, oder/und in welcher Reihenfolge. Einzig sichtbares Ergebnis: Der Goldpreis steigt. Mittlerweile ist es offensichtlich gar nicht mehr so einfach, an Goldmünzen oder Barren heranzukommen. Die Prägeanstalt für den “Krüger-Rand” ist restlos ausgelastet und muss Sonderschichten fahren.
Mittlerweile empfehlen auch sehr viele Finanzberater, einen Teil seines Vermögens (so man welches hat) in Gold anzulegen. Ich frage mich langsam, wo das hinführen soll. Schließlich ist Gold ein reines Spekulationsobjekt – es steht nicht wie eine Aktie für einen Unternehmenswert, es bringt keine regelmäßigen Zinsen wie ein Sparbuch oder ein festverzinsliches Wertpapier. Natürlich kann man es auch zu Schmuck verarbeiten – das ist für die Nachfrage aus dem arabischen Raum wohl ein wirklich relevanter Faktor.
Was wird wohl passieren, wenn der Hype abflaut? Wenn auf einmal alle ebenso schnell ihr Gold verkaufen wollen, wie sie es gekauft haben? Hier versagt meine Fantasie. Denn der Materialwert ist eben fiktiv, industriell ist das Edelmetall nicht mehr wirklich wichtig, und außer für die Schmuckherstellung relativ unnötig.
Fantasie habe ich natürlich für einen anderen Bereich. Ich träume davon, dass die Vermögensberater dieser Welt schreiben:
“… % in Aktien investieren, und 10% sollten Sie in persönlicher Bildung vorhalten.” Die verliert nur gering (bei ganz zeitgebundenen Themen) an Wert, ist krisen- und diebstahlsicher und trotzt jeder In- oder Deflation. Und vergolden kann man seine Kenntnisse und Fähigkeiten in der Regel nachhaltiger als viele andere Wertgegenstände.
Die Seite der RSA, der “Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce (RSA)”
Ich zitiere einen kurzen Abschnitt: “In the light of new challenges and opportunities for the human race, the RSA seeks to develop and promote new ways of thinking about human fulfilment and social progress.”
Es gibt dort sehr interessante Video-Vorträge, die zum Teil auch von einem unglaublich guten Zeichner graphisch umgesetzt wurden. Als bestes Beispiel lohnen sich die 10 Minuten über “Motivation“.
Schon erstaunlich, dass es solche Institutionen wie das RSA oder eine Organisation wie TED nur in der angloamerikanischen Welt zu geben scheint. Aus Deutschland oder Frankreich sind mir keine ähnlichen Initiativen bekannt. Wenn ich da etwas übersehen haben sollte, freue ich mich sehr über einen entsprechenden Kommentar!