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lernen und arbeiten -


8. März 2013

Systemische Gruppendynamik

In einem Artikel der Zeitschrift OrganisationsEntwicklung wird das Loblied auf “Die neue Aktualität der (”systemischen”) Gruppendynamik” gesungen. Das wäre nicht wirklich bemerkenswert – wenn es nicht von Roswita Königswieser, Rudolf Wimmer und Fritz B. Simon angestimmt würde. Anlass genug für mich, den Artikel zu lesen und hier weiter zu empfehlen. Ich habe einmal persönlich an einer solchen Systemischen T-Gruppe (Trainings-Gruppe) teilgenommen, eine wirklich sehr intensive Erfahrung. Der Nutzen liegt in der doppelten Rolle – man ist Gruppenteilnehmer und -beobachter zugleich, reflektiert und agiert gleichermaßen, ist auf sich gestellt und eingebettet in die Interaktion der Gruppe. Wer die Chance bekommt, an einer solchen T-Gruppe einmal teilzunehmen, sollte sie meiner Meinung nach unbedingt nutzen.

5. November 2012

Konflikte – 10 praktische Lösungstipps

Konflikte sind im Berufsleben allgegenwärtig, ja, sie gehören zum Berufsbild des Managers, dessen soziale Funktion darin besteht, “den Konflikt zu suchen, von falsch erscheinenden Stellen abzuziehen, an der richtigen Stelle zu zünden und auszubeuten, bis sich seine Energie verbraucht hat”. So die Theorie, das Zitat ist, wenn ich es richtig weiß, von Dirk Becker (aus dem Einladungsflyer zu den X-Organisationen 2007).

Mit Konflikten bin auch ich immer wieder konfrontiert – nach obiger Definition völlig zu recht -, und ich versuche oft zunächst eine Verortung. Bin ich als Entscheidungsträger gefragt mit der Option, das “Entweder – Oder” zu bestimmen, oder geht es um eine vermittelnde Rolle, die ein Abwägen zwischen dem “Weder-noch” bzw. “Sowohl-als auch” beinhaltet? Wer sich klar seiner jeweiligen Rolle bewusst ist, hat es leichter – und kann umso mehr von den 10 praktischen Tipps profitieren, die ich dem Buch von Fritz B. Simon “Einführung in die Systemtheorie des Konflikts” entnehme und hier gekürzt paraphrasiere:

1. Wenn Sie in einen Konflikt geraten und impulsiv agieren möchten – lassen Sie’s. Zählen Sie bis 100, oder tum Sie erst mal gar nichts.

2. Inhalts- und Bezugsebene sind im Konfliktfall oft nicht klar getrent. Beim “Sach”-Konflikt bemühen Sie sich um eine Trennung beider Ebenen, machen Sie deutlich, dass Sie die Angelegenheit nicht persönlich nehmen!

3. Wenn es um persönliche Dinge geht, sorgen Sie dafür, dass Ihr Gegenüber ein sachliches Interesse dafür entwickelt, den Konflikt zu beenden. Zeigen Sie, wie Sie ihm helfen können, auf der Sachebene zu gewinnen.

4. Wenn der Konflikt bereits eskaliert, prüfen, Sie, ob Sie überhaupt gewinnen können, und gehen Sie dabei von “worst-case-Szenarien” aus.

5. Wenn der Verlauf der Eskalation nicht vorhersehbar ist, steigen Sie lieber vorher aus. Das wird zwar möglicherweise als Schwäche gedeutet, lohnt sich aber trotzdem: der Aufwand für diesen Konflikt bleibt gering, das Risiko ebenfalls.

6. Wenn die Eskalation zu teuer wird oder absehbar zu einem Patt führt, bemühen Sie sich um einen – auch von der Gegenseite akzeptierten – Vermittler.

7. Wenn Sie als “Dritter” in einen fremden Konflikt hineingezogen werden und gleichzeitig qua Hierarchie den Konflikt auch beenden könnten, dann sollten Sie das auch unbedingt tun.

8. Wenn Sie (nur) Berater sind, auchten Sie auf Ihre Neutralität und belassen Sie die Verantwortung für den Fortschritt des Prozesses bei den Konfliktparteien.

9. Wenn Sie als Berater eigene Lösungsideen haben, stellen Sie diese “unauffällig” zur Verfügung, zum Beispiel durch entsprechende Fragen an die Konfliktparteien.

10. Die Lösung eines Konfliktes ist selten perfekt – streben Sie lieber eine langfristig tragfähige, pragmatische Lösung an!

Das Buch von Fritz Simon kann ich nur wärmstens empfehlen, es ist nicht nur “theoretisch”, sondern eben auch eine wunderbar pragmatische Betrachtung des Themas!

12. August 2012

Präsentationen mit Powerpoint meiden?

In seinem neuen Buch (Wie man führt, ohne zu dominieren: 29 Regeln für ein kluges Leadership) gibt Prof. Rolf Arnold viele Anregungen für Führungskräfte. Besonders einleuchtend: Das Kapitel über Powerpoint. “Regel 18: Meiden Sie ausgetüftelte Powerpoint-Präsentationen!”

Wer kennt das nicht – diese Präsentationen, die oft genug nur den gesprochenen Text abbilden? So dass man an eine Wand starrt, mitliest (oder auch nicht) und sich fragt, warum das nicht als Hintergrundinformation vorab verteilt worden ist?

Arnold bemängelt insbesondere, dass viele Powerpoint-Präsentationen den Zuschauer in eine passive Rolle bringen. Es wird etwas eben “präsentiert”, wo Arnold sich vielmehr Dialog wünscht. Gerade die starke Strukturiertheit signalisiert, dass das Dargebotene bestens durchdacht und von zwingender Logik ist. Es entsteht eine sehr deutliche Hierarchie – hier der Präsentator, dort die lauschende (bzw. eingeschlafene …) Masse.

Ich kann Rolf Arnold weit folgen mit seiner Kritik, auch wenn ich selbst Powerpoint schätze, um in verdichteter Form einen Gedankengang einem größeren Personenkreis darzubieten. Auch bei den TED-Veranstaltungen gibt es viele gute Beispiele für gelungene Präsentationen. Was aber bleibt, ist die Frage, wie dann der Dialog eröffnet werden kann. Dialog bedeutet aber immer Risiko – er ist nicht planbar, er braucht Mut. Insofern lese ich Rolf Arnolds Hinweise als Anregung, das “Präsentationen” umzuwidmen in die Chance, gemeinsam zu lernen.

22. Juli 2012

Angst vor neuen Ideen?

“Ich verstehe nicht, warum Menschen Angst vor neuen Ideen haben. Ich habe Angst vor den alten”. (John Cage)

Das Zitat ist enem im Gespräch mit Richard Kostelanetz entnommen; im Original “I can’t understand why people are frightened of new ideas. I’m frightened of the old ones”. Ich habe es gerade in einer netten Veranstaltung in der Hamburger Kunsthalle gehört; dort gibt es eine (allerdings sehr kleine) Ausstellung einiger Zeichnungen und Grafiken (Titel: an ear alone is not a being).

Es gibt auch ein schönes Video, in dem man Cage (altersweise) einmal direkt erleben kann:

4. Dezember 2011

Zukunft

Auf der Xmess, einer Konferenz zur “next society” haben wir uns Gedanken dazu gemacht, wie denn die Zukunft wohl aussehen könnte. Es gabe tolle Anregungen von Menschen wir Dirk Baecker (der sich ja schon länger mit dem Begriff auseinandersetzt), Gunter Dueck und vielen anderen. Die Teilnehmer kamen zum großen Teil aus der Beraterecke – dort ist der Druck sicher am größten, die aktuellen Strömungen der Gesellschaft aufzunehmen…

Einige Eindrücke:

  1. Next Society – was auch immer das ist, wir sind mitten drin
  2. Der bisherige “systemische Werkzeugkasten” reicht nicht aus
  3. Die vielbeschworenen “Megatrends” der Gesellschaft gehören heute zur Normalität
  4. Viele der alten großen Organisationen haben noch gar nicht gemerkt, dass sie tot sind :-)

Für die Bildung wurden Freiräume gefordert, um nicht nur eine Aufzucht kleiner menschlicher Wikipedias zu schaffen, sondern Menschen mit einem breiten Kompetenzspektrum. Dazu hat sich Herr Dueck sehr pointiert geäußert. Das Video seiner Präsentation ist auf seinem Vimeo-Kanal verfügbar, ich finde das Folgende noch prägnanter:

Gunter Dueck: Die kommenden Tage (V) from Stifterverband on Vimeo.

28. November 2011

Fernstudium in Island

Island war Gastland der Buchmesse – und hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein so kleines Land mit einer so interessanten Literatur ist ja schon bemerkenswert. Ich habe mich nun aus naheliegenden Gründen mit dem isländischen Fernunterricht beschäftigt – und die Ergebnisse meiner Online-Recherche hier in einem pdf zusammengetragen: Fernstudium in Island.

In Summe hat mich das isländische Bildungssystem sehr beeindruckt. Unglaublich, dass es 7 Universitäten gibt – nicht nur in Reykjavik. Und beim Fernunterricht gibt es trotz gewisser Unterschiede genau dieselben Motivationsfragen und Qualitätsanforderungen wie bei uns.

22. Juni 2011

Stadtluft macht frei

In einem bemerkenswerten Aufsatz hat der von mir sehr geschätzte Dirk Baecker in schon 2008 die Funktion der Stadt in verschiedenen Gesellschaften erarbeitet (Stadtluft macht frei: Die Stadt in den Medienepochen der Gesellschaft). Er untersucht Stadt danach, wie sie mit neuen Kommunikatione umgeht; insbesondere widmet er sich vier verschiedenen Stadtformen:

  • Stadt in der Stammesgesellschaft
  • Stadt in der Antike
  • Die moderne Stadt

Wie es sich gehört, hat Herr Baecker seinem Aufsatz ein Abstract, eine Zusammenfassung vorweggestellt. Dazu gibt es einen Film, der eine ganz wunderbare Umsetzung dieser Zusammenfassung ist – und richtig Lust auf den Artikel macht.

Ich bin ja immer auf der Suche nach gelungenen Visualisierungen anspruchsvoller Inhalte. Hier haben wir wieder ein tolles Beispiel!!

Next City from jan weigel on Vimeo.

Gesprochen hat Dirk Baecker offensichtlich selbst. Der Film entstand übrigens schon vor zwei Jahren im Zusammenhang mit der Neu-Entwicklung des Stadtteils Graz-Reininghaus; aufmerksam darauf wurde ich durch einen Blogbeitrag im “Management Zentrum X“.

Auch zum bookmarken: Die Diskussionspapiere der Zeppelin University, wo man den Aufsatz von Dirk Baecker ebenso findet wie viele andere hochinteressante Beiträge. Aktuell (Juni 2011) ist der neueste Artikel “Wie die Öffentlichkeit fassen?
Öffentlichkeit als normatives, als empirisches und als unvollständiges Konstrukt” von Cornelia Wallner und Marian Adolf. Für mich ein interessanter theoretischer “Adlerblick” auf das Thema Öffentlichkeit.

12. Mai 2011

Neue Webinare

Nächste Woche werden wir die Werbung für zwei neue Webinare starten. Das Besondere daran ist, dass die Webinare für sich allein stehen, also nicht in bestehenden Lehrgängen integriert sind. Es geht um zwei Themen:

Ich bin sehr gespannt, wie diese Angebote im Markt aufgenommen werden; erste Termine sind für Ende Juni geplant. Wir werden kein zusätzliches gedrucktes Lehrmaterial versenden; zur Vorbereitung kann aber beim Projektmanagement ein pdf bzw. ein epub heruntergeladen werden.

Webinare gibt es zwar schon ein paar Jahre, werden aber erst in letzter Zeit als attraktives Bildungsangebot entdeckt. Mein Eindruck:

1. Es gibt noch nicht sehr viele Anbieter, die kostenpflichtige (!) Webinare anbieten. Die Preise variieren dann zwischen wenigen Euro und 299,- EUR/3 Termine (z.b. bei der bitkom Akademie, die einen sehr professionellen Eindruck macht).

2. Kostenlose Webinare sind häufig nicht mehr als (oft gut gemachte) Online-Präsentationen. Es macht durchaus Sinn, einige solcher Veranstaltungen mitzuerleben, um die Begrenzungen, aber auch die Chancen des Formats zu erkennen. Deshalb werden auch wir Schnupper-Webinare anbieten.

3. Webinare sind in der Didaktik dem Präsenzunterricht nahe – das ist eine besondere Herausforderung und Chance für einen Fernunterrichtsanbieter!

4. Entscheidend ist die aktive Einbindung der Teilnehmer in den Prozess. Wahrlich keine bahnbrechende Erkenntnis, wohl aber ein Qualitätskriterium für jedes Angebot. Damit ist klar, dass Webinare nach oben nicht frei skalierbar sind, – also immer begrenzte Teilnehmerzahlen haben (müssen).

5. Die Technik scheint ein geringeres Problem zu sein als zunächst befürchtet. Wir arbeiten bei der Hamburger Akademie mit adobe connect und haben bislang sehr gute Erfahrungen gemacht; aber auch in anderen von mir besuchten Webinaresn gab es allenfalls einmal Probleme mit einem übersteuerten Mikro des Dozenten.

Wer sich noch ein wenig umtun möchte, sei zum Beispiel auf die Seiten von edudip.com verwiesen – sehr sympathisch und aktiv. Es gibt auch schon einige Portale zum Thema, zum Beispiel webinar-planer und openwebinars. Insgesamt wirkt der Markt aber noch ziemlich fragmentiert.

30. April 2011

ipad in der Weiterbildung?

Nachdem der erste Hype um das ipad vorbei ist, habe ich mir nun vor einigen Wochen selbst eines gekauft. Was gibt es denn nun für tolle Anwendungen im Bereich Weiterbildung mit diesem Gerät?

Apple hat im Appstore immerhin einen eigenen Unterbereich geschaffen. Die Fülle ist zunächst beeindruckend, bei genauerem Hinsehen aber eher ernüchternd. Einige Anwendungen sind sicher sinnvoll – Wörterbücher zum Beispiel oder datenbankbasierte Drill-Übungen. Vieles ist aber einfach nur “ganz nett”, ohne mich wirklich zu begeistern.

Liegt die Enttäuschung an überzogenen Erwartungen? Vielleicht. Aus meiner Sicht könnte ein Tablett hervorragend genutzt werden

  1. für den Zugriff auf Inhalte mit einer intelligenten Bearbeitungsfunktion
  2. für die Integration unterschiedlicher Medien (Text, Film, Animation)
  3. für die Kommunikation in Lerngruppen und den Austausch im Lernverbund

1. Der Zugriff auf Lerninhalte funktioniert dann (gut), wenn diese adäquat aufbereitet sind. Also: das ipad nicht einfach als pdf-reader, sondern als ein Lesegerät für z.B. EPUB-Dokumente. Leider gibt es davon aber noch sehr wenige, und ehrlich gesagt – daran kann der Erfolg eine ipad nicht gemessen werden: EPUB können auch andere Lesegeräte verarbeiten.

2. Die Integration von Foto, Film und Text über EPUB hinaus geht von Lehr-bzw. Lernstoff aus, der didaktisch aufwändig aufbereitet ist. Das erfordert Zeit und Geld, und beides sind nur wenige Bildungsanbieter aufzubringen bereit. Angesichts der entstehenden Kosten für vernünftige Drehbücher nachvollziehbar, bewegen sich doch die im Appstore erzielbaren Preise meistens im Bereich von 1,99 bis 19,00 Euro.

3. Die aus meiner Sicht unmittelbarste und attraktivste Nutzung von Tablets wäre die Vernetzung von Lernern untereinander bzw. ggf. mit Dozenten oder “Inhaltslieferanten” (ja, ich kann meinen Fernstudien-Blickwinkel nicht völlig verleugnen!). Auch Lehrveranstaltungen über Webinare abzubilden ist eine interessante Nutzungsmöglichkeit (und ist durch die Integration der Kamera beim ipad 2 deutlich einfacher geworden). Viele Angebote für solche Integrationen habe ich aber nicht gefunden.

Die SRH Riedlingen wirbt neuerdings mit einem MBA per ipad. Dabei werden Dokumente in EPUUB zur Verfügung gestellt, es gibt Online-Veranstaltungen usw. Insgesamt scheint man einige der wichtigen Erwartungen zu erfüllen. Ich werde das Experiment im Auge behalten.

Über den Einsatz von ipads in amerikanischen Schulen berichtete bereits die New York Times in einem durchaus kritischen Artikel. Auch bei uns (z.B. an der Kaiserin-Augusta-Schule Köln) gibt es Ansätze, das ipad im Klassenraum zu nutzen, und einige Hochschulen (z.B. Kassel) haben ebenfalls erste Versuch laufen.

Mein persönliches Fazit:
Derzeit gibt es noch viel Luft nach oben, wenn es um die Möglichkeiten von Tablets in der Weiterbildung geht. Nicht unterschätzen sollte man aber den Wert, den ein spielerischer Umgang (Stichwort: Serious Games) mit Texten, Videos, Online-Anwendungen hat. Durch den Spaß am Spielen – den es beim ipad zweifelsohne gibt – wird vielleicht mehr erreicht als mit ausgefeilten didaktischen Anwendungen, die den Nutzer nicht erreichen.

PS: Gerade hat die FAZ einen lesenswerten Artikel zur Nutzung neuer Medien veröffentlicht. Zitat (in Verbindung mit der Diskussion um das ipad):

“Die neuen Lehrinstrumente machen Seminare und Vorlesungen aber nicht überflüssig – ganz im Gegenteil. Doch steht nicht mehr die Vermittlung von Wissen, sondern der Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden im Vordergrund.”

13. April 2011

Hermetisches Schreiben

Im (immer sehr lesenswerten) Tool-Blog von Stefan List habe ich kürzlich einen Hinweis auf  einen Blogbeitrag von Sascha Lobo zum Begriff “Hermetisches Schreiben” gefunden. Den Begriff definiert Lobo so:

“Hermetisches Schreiben bedeutet, eine Mail so zu verfassen, dass die Chance auf eine Rückmail aktiv auf ein absolutes Minimum reduziert wird.”

Dahinter steckt die Idee, beim Schreiben von E-Mails so zu formulieren, dass nicht ein ewiges Ping-Pong von Antworten entsteht. Nicht alle seiner Tipps passen für jeden, Anregungen gibt´s aber genug.

Den ganzen Artikel von Sasche Lobo finden Sie hier:  Die Kunst der Mailminimierung – Hermetisches Schreiben.