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lernen und arbeiten -


28. November 2011

Fernstudium in Island

Island war Gastland der Buchmesse – und hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein so kleines Land mit einer so interessanten Literatur ist ja schon bemerkenswert. Ich habe mich nun aus naheliegenden Gründen mit dem isländischen Fernunterricht beschäftigt – und die Ergebnisse meiner Online-Recherche hier in einem pdf zusammengetragen: Fernstudium in Island.

In Summe hat mich das isländische Bildungssystem sehr beeindruckt. Unglaublich, dass es 7 Universitäten gibt – nicht nur in Reykjavik. Und beim Fernunterricht gibt es trotz gewisser Unterschiede genau dieselben Motivationsfragen und Qualitätsanforderungen wie bei uns.

14. November 2011

Zuverlässigkeit

“Zuverlässigkeit entsteht nicht durch die Kontrolle der vorhandenen Bedingungen, sondern durch das permanente Adaptieren an sich verändernde Bedingungen”. So schreibt in einem Blogbeitrag die von mir schon einmal und gerne zitierte Annette Gebauer. Ihr Thema, das “mindfull organizing” ist mir nicht nur aus der betrieblichen Praxis eines Weiterbildungsinstitutes sympathisch, ich sehe darin auch eine Möglichkeit, gerade in den unsicheren Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise Verlässlichkeit zu schaffen. Vielleicht sind sogar einige der unerwarteteren Änderungen in der Politik von Angela Merkel aus der Einsicht geboren, dass es besser ist, sich gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen.

28. September 2011

Der dritte Weg der Beratung

Rudi Wimmer schätze ich nicht erst, seit ich ihn bei einem seiner gruppendynamischen Trainings  persönlich kennenlernen durfte. Er ist einer der großen Systemiker im deutschsprachigen Raum und hat in einem hervorragenden Aufsatz seine Ideen zu einer neuen Art von Beratung erläutert: “Systemische Organisationsberatung – jenseits von Fach- und Prozessberatung”. Der Beitrag ist bereits im letzten Jahr in der “Revue für Postheroisches Management” erschienen; ich habe ihn im aktuellen Reader der OSB-Beratergruppe entdeckt, deren Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter er ist. Dieser Reader kann übrigens kostenlos angefordert werden und enthält viele weitere höchst lesenswerte Beiträge.

Rudi Wimmer stellt fest, dass der Beratungsbedarf heute nicht mehr durch die bekannte Fachberatung oder die kommunikationsorientierte Prozessberatung befriedigt wird. Der Grad an Komplexität hat zugenommen, Organisationen sind mit sehr unterschiedlichen Problemkonstrukten konfrontiert.

Wimmer nutzt das Luhmannsche Sinnverständnis für eine Neupositionierung von Beratung. Die sachliche, zeitliche und soziale Sinndimension wird von den bisherigen Beratungskonzepten nur isoliert fokussiert; es fehlt ein Bewusstsein dafür, dass diese Dimensionen “unter Kombinationszwang” stehen (Originalzitat Luhmann im Text).

Der Vorschlag Wimmes bedeutet keine Komplementärberatung 2.0, nicht also ein Additiv zu den bisherigen Beratungsformen. Es geht ihm vielmehr um eine Neupositionierung der Beratungsposition gegenüber dem Kundensystem. “Der sorgfältige Umgang mit der Differenz von Beratung einerseits und Management und Führung andererseits ist daher gerade auch für die Arbeit in diesem integrativen Selbstverständnis konstituierend.” Beratung muss die drei Sinndimensionen parallel berücksichtigen, um gerade die einfachen (komplexitätsreduzierenden) Lösungen einer Aufspaltung in prozessuale Probleme einerseits, kommunikative Probleme andererseit zu vermeiden.

17. August 2011

Steuern für Superreiche?

Warren Buffett hat sich kürzlich zu seiner Steuerbelastung geäußert. Offensichtlich ist es ihm (fast) peinlich, dass er weniger Steuern zahlt als seine Mitarbeiter. Er regt an, Superreiche höher zu besteuern – und vertritt damit eine Position, mit der Barrack Obama politisch gescheitert ist. In den USA sollen zur Verringerung des Defizits in den näcsten Jahren Milliarden gespart werden – auch durch Streichungen bei den Sozialausgaben, die in Amerika sowieso nicht sehr hoch sind. Damit wird die Kluft zwischen Arm und Reich wieder größer, die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft nimmt zu.

Ich finde diesen Vorstoß von Mr. Buffet bemerkenswert. Die USA haben eine andere Auffassung von Steuern – der Staat soll sich möglichst aus den Finanzen des Einzelnen heraushalten, den Rest regelt der Markt. Umgekehrt gibt es eine große Spendentradition, nicht nur bei der Parteienfinanzierung, sonder auch für andere philantropische Zwecke; die Stiftung von Bill Gates ist ein gutes Beispiel. Spenden sind freiwillig, Steuern nicht – aber nur Steuern bieten eine gewisse finanzpolitische Handlungssicherheit.

Ins Bild passt auch der italienisch Vorschlag, in Zukunft Besserverdienende höher zu besteuern. So wenig sich jemand über höhere Steuern freuen kann – es erscheint in der aktuellen Situation auf jeden Fall sinvoller, nicht die labilen Sozialsysteme weiter zu beschneiden, sondern die Steuerlast auch von denen tragen zu lassen, die in den letzten 10 Jahren überproportional von den Entlastungen haben profitieren können. Dass selbst Warren Buffett diese Position vertritt (und offensichtlich nicht zum ersten Mal) finde ich schlichtweg sympathisch.

5. August 2011

Gegenskript bei unerwünschten Anrufen

Immer wieder erhält man Anrufe irgendwelcher Call-Center, die einem eine Versicherung, ein Abo oder sonst etwas verkaufen wollen. Professionell betrachtet kann das ganz interessant sein, um zu überprüfen, was man alles NICHT tun sollte, um eine “kalte” Adresse für das eigene Produkt zu erwärmen.

Im Tool-Blog von Stephan List habe ich jetzt einen sehr witzigen Fragebogen gefunden, mit dem man – Zeit vorausgesetzt – versuchen kann, den Spieß herumzudrehen. Ein Projekt von EGBG.  Lesen Sie selbst (Doppelklick öffnet das Originaldokument):

Gegenskript

29. Juli 2011

Norwegen

“Mehr Demokratie und Offenheit” – das soll die Antwort auf das fürchterliche Attentat der letzten Woche sein, so Ministerpräsident Stoltenberg (zitiert u.a. von FAZ und Focus).

Das ist eine sehr souveräne Haltung; Herr Stoltenberg zeigt (menschlich sichtlich erschüttert), dass der norwegische Staat, die norwegische Gesellschaft sich verantwortlich fühlt. Gleichzeitig reagiert er aber nicht mit martialischen Drohgebärden oder einer rachsüchtigen Rhetorik. Ich habe lebhafte Phantasien dazu, wie sich Regierungen anderer Länder verhalten hätten.

Mittlerweile ist man so sehr gewohnt, nach solchen Ereignissen “starke Sprüche” zu hören, dass die Besonnenheit von Herrn Stoltenberg überrascht und auffällt.

23. Juli 2011

Lebensmittelklarheit

Jetzt ist die Website “Lebensmittelklarheit” im Netz erreichbar (wenn auch nur unter Schwierigkeiten, weil offensichtlich der Server den Ansturm nur schwer verkraftet). Hochspannend, dass der offizielle Verbraucherschutz – vertreten durch die Ministerin Aigner – eine solche Seite propagiert und gegen alle Kritik auch durchsetzen kann. Auch ich habe mich schon oft über die merkwürdigen Inhaltsstoffe oder die täuschenden Abbildungen auf Lebensmittelverpackungen geärgert. Dass es jetzt ein offizielles Forum für solche Ärgernisse gibt, ist hervorragend – und ebenfalls interessant, wie sich die Lebensmittelindustrie dazu stellt. Der mündige Verbraucher wird hier sichtbar. Und wer das als Hersteller richtig zu nutzen weiß, der punktet spätestens jetzt mit “sauberen” Inhaltsangaben und ehrlichen Beschreibungen.

Natürlich habe ich auch überlegt, ob ein solches Portal für die Weiterbildungsbranche sinnvoll bzw. notwendig wäre. Aber glücklicherweise gibt es solche krassen Beispiele von Fehlinformationen bzw. Täuschungen in unserer Branche kaum. Im Fernunterricht gewährleistet überdies die ZFU ein sehr großes Maß an Transparenz, und spezielle Portale wie fernstudium-infos oder allgemeine Verbraucherportale wie Ciao bieten Informationsmöglichkeiten darüber, ob “auch wirklich drin ist, was drauf steht”.

22. Juni 2011

Stadtluft macht frei

In einem bemerkenswerten Aufsatz hat der von mir sehr geschätzte Dirk Baecker in schon 2008 die Funktion der Stadt in verschiedenen Gesellschaften erarbeitet (Stadtluft macht frei: Die Stadt in den Medienepochen der Gesellschaft). Er untersucht Stadt danach, wie sie mit neuen Kommunikatione umgeht; insbesondere widmet er sich vier verschiedenen Stadtformen:

  • Stadt in der Stammesgesellschaft
  • Stadt in der Antike
  • Die moderne Stadt

Wie es sich gehört, hat Herr Baecker seinem Aufsatz ein Abstract, eine Zusammenfassung vorweggestellt. Dazu gibt es einen Film, der eine ganz wunderbare Umsetzung dieser Zusammenfassung ist – und richtig Lust auf den Artikel macht.

Ich bin ja immer auf der Suche nach gelungenen Visualisierungen anspruchsvoller Inhalte. Hier haben wir wieder ein tolles Beispiel!!

Next City from jan weigel on Vimeo.

Gesprochen hat Dirk Baecker offensichtlich selbst. Der Film entstand übrigens schon vor zwei Jahren im Zusammenhang mit der Neu-Entwicklung des Stadtteils Graz-Reininghaus; aufmerksam darauf wurde ich durch einen Blogbeitrag im “Management Zentrum X“.

Auch zum bookmarken: Die Diskussionspapiere der Zeppelin University, wo man den Aufsatz von Dirk Baecker ebenso findet wie viele andere hochinteressante Beiträge. Aktuell (Juni 2011) ist der neueste Artikel “Wie die Öffentlichkeit fassen?
Öffentlichkeit als normatives, als empirisches und als unvollständiges Konstrukt” von Cornelia Wallner und Marian Adolf. Für mich ein interessanter theoretischer “Adlerblick” auf das Thema Öffentlichkeit.

9. Juni 2011

Managerinnen 50 plus

In einer aktuellen Veröffentlichung des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Kinder wird geht es um eine Studie, die klären soll, warum so wenige Frauen der Altersgruppe 50 plus in Führungspositionen sind. Im Ergebnis stellt sich heraus, dass hier verschiedene Faktoren zusammenkommen:

  • die Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben
  • die Verweigerung von Führungspositionen
  • die Begrenzung von Aufstiegsmöglichkeiten

Die befragten Frauen reagierten mit drei unterschiedlichen Strategien: Kampf, Resignation oder Ausstieg. Alle reflektierten ihre Positionen und stellten zum Teil fest, dass der berufliche Einsatz sich nicht gelohnt hat. Die gläserne Decke lässt sich für sie nicht durch persönliche oder fachliche Exzellenz durchstoßen.

Ich habe die Studie mit großem Interesse und einiger Frustration gelesen. Meine persönlichen Erfahrungen mit weiblichen Führungskräften sind genauso positiv wie die mit ihren männlichen Kollegen. Die berühmte “Andersartigkeit” in der Führung erklärt sich m. E. zum einen daher, dass weibliche Führungskräfte i.d.R. “mehr” geleistet haben als Männer, um in eine Führungsposition zu gelangen. Zum anderen werden bei Frauen immer noch spezifisch weibliche Verhaltensformen erwartet – warum und welche das sein können, ist selbstverständlich eine berechtigte Frage. Auf jeden Fall sind sie oft mit einem ganzen Bündel unterschiedlicher Erwartungen konfrontiert.

Ich habe mich schon an anderer Stelle für eine Frauenquote ausgesprochen – wenn es denn gar nicht anders geht. Es ist schlicht und ergreifend dumm, wenn unsere Gesellschaft zulässt, dass Frauen immer noch von Führungspositionen (insbesondere in der Wirtschaft) massiv ferngehalten werden. Wenigstens gibt es in der Politik ja mittlerweile einige positive Beispiele, die als Vorbilder dienen können.

6. Juni 2011

Lachen? Lachen!