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lernen und arbeiten -


12. August 2012

Präsentationen mit Powerpoint meiden?

In seinem neuen Buch (Wie man führt, ohne zu dominieren: 29 Regeln für ein kluges Leadership) gibt Prof. Rolf Arnold viele Anregungen für Führungskräfte. Besonders einleuchtend: Das Kapitel über Powerpoint. “Regel 18: Meiden Sie ausgetüftelte Powerpoint-Präsentationen!”

Wer kennt das nicht – diese Präsentationen, die oft genug nur den gesprochenen Text abbilden? So dass man an eine Wand starrt, mitliest (oder auch nicht) und sich fragt, warum das nicht als Hintergrundinformation vorab verteilt worden ist?

Arnold bemängelt insbesondere, dass viele Powerpoint-Präsentationen den Zuschauer in eine passive Rolle bringen. Es wird etwas eben “präsentiert”, wo Arnold sich vielmehr Dialog wünscht. Gerade die starke Strukturiertheit signalisiert, dass das Dargebotene bestens durchdacht und von zwingender Logik ist. Es entsteht eine sehr deutliche Hierarchie – hier der Präsentator, dort die lauschende (bzw. eingeschlafene …) Masse.

Ich kann Rolf Arnold weit folgen mit seiner Kritik, auch wenn ich selbst Powerpoint schätze, um in verdichteter Form einen Gedankengang einem größeren Personenkreis darzubieten. Auch bei den TED-Veranstaltungen gibt es viele gute Beispiele für gelungene Präsentationen. Was aber bleibt, ist die Frage, wie dann der Dialog eröffnet werden kann. Dialog bedeutet aber immer Risiko – er ist nicht planbar, er braucht Mut. Insofern lese ich Rolf Arnolds Hinweise als Anregung, das “Präsentationen” umzuwidmen in die Chance, gemeinsam zu lernen.

12. Mai 2011

Neue Webinare

Nächste Woche werden wir die Werbung für zwei neue Webinare starten. Das Besondere daran ist, dass die Webinare für sich allein stehen, also nicht in bestehenden Lehrgängen integriert sind. Es geht um zwei Themen:

Ich bin sehr gespannt, wie diese Angebote im Markt aufgenommen werden; erste Termine sind für Ende Juni geplant. Wir werden kein zusätzliches gedrucktes Lehrmaterial versenden; zur Vorbereitung kann aber beim Projektmanagement ein pdf bzw. ein epub heruntergeladen werden.

Webinare gibt es zwar schon ein paar Jahre, werden aber erst in letzter Zeit als attraktives Bildungsangebot entdeckt. Mein Eindruck:

1. Es gibt noch nicht sehr viele Anbieter, die kostenpflichtige (!) Webinare anbieten. Die Preise variieren dann zwischen wenigen Euro und 299,- EUR/3 Termine (z.b. bei der bitkom Akademie, die einen sehr professionellen Eindruck macht).

2. Kostenlose Webinare sind häufig nicht mehr als (oft gut gemachte) Online-Präsentationen. Es macht durchaus Sinn, einige solcher Veranstaltungen mitzuerleben, um die Begrenzungen, aber auch die Chancen des Formats zu erkennen. Deshalb werden auch wir Schnupper-Webinare anbieten.

3. Webinare sind in der Didaktik dem Präsenzunterricht nahe – das ist eine besondere Herausforderung und Chance für einen Fernunterrichtsanbieter!

4. Entscheidend ist die aktive Einbindung der Teilnehmer in den Prozess. Wahrlich keine bahnbrechende Erkenntnis, wohl aber ein Qualitätskriterium für jedes Angebot. Damit ist klar, dass Webinare nach oben nicht frei skalierbar sind, – also immer begrenzte Teilnehmerzahlen haben (müssen).

5. Die Technik scheint ein geringeres Problem zu sein als zunächst befürchtet. Wir arbeiten bei der Hamburger Akademie mit adobe connect und haben bislang sehr gute Erfahrungen gemacht; aber auch in anderen von mir besuchten Webinaresn gab es allenfalls einmal Probleme mit einem übersteuerten Mikro des Dozenten.

Wer sich noch ein wenig umtun möchte, sei zum Beispiel auf die Seiten von edudip.com verwiesen – sehr sympathisch und aktiv. Es gibt auch schon einige Portale zum Thema, zum Beispiel webinar-planer und openwebinars. Insgesamt wirkt der Markt aber noch ziemlich fragmentiert.

30. April 2011

ipad in der Weiterbildung?

Nachdem der erste Hype um das ipad vorbei ist, habe ich mir nun vor einigen Wochen selbst eines gekauft. Was gibt es denn nun für tolle Anwendungen im Bereich Weiterbildung mit diesem Gerät?

Apple hat im Appstore immerhin einen eigenen Unterbereich geschaffen. Die Fülle ist zunächst beeindruckend, bei genauerem Hinsehen aber eher ernüchternd. Einige Anwendungen sind sicher sinnvoll – Wörterbücher zum Beispiel oder datenbankbasierte Drill-Übungen. Vieles ist aber einfach nur “ganz nett”, ohne mich wirklich zu begeistern.

Liegt die Enttäuschung an überzogenen Erwartungen? Vielleicht. Aus meiner Sicht könnte ein Tablett hervorragend genutzt werden

  1. für den Zugriff auf Inhalte mit einer intelligenten Bearbeitungsfunktion
  2. für die Integration unterschiedlicher Medien (Text, Film, Animation)
  3. für die Kommunikation in Lerngruppen und den Austausch im Lernverbund

1. Der Zugriff auf Lerninhalte funktioniert dann (gut), wenn diese adäquat aufbereitet sind. Also: das ipad nicht einfach als pdf-reader, sondern als ein Lesegerät für z.B. EPUB-Dokumente. Leider gibt es davon aber noch sehr wenige, und ehrlich gesagt – daran kann der Erfolg eine ipad nicht gemessen werden: EPUB können auch andere Lesegeräte verarbeiten.

2. Die Integration von Foto, Film und Text über EPUB hinaus geht von Lehr-bzw. Lernstoff aus, der didaktisch aufwändig aufbereitet ist. Das erfordert Zeit und Geld, und beides sind nur wenige Bildungsanbieter aufzubringen bereit. Angesichts der entstehenden Kosten für vernünftige Drehbücher nachvollziehbar, bewegen sich doch die im Appstore erzielbaren Preise meistens im Bereich von 1,99 bis 19,00 Euro.

3. Die aus meiner Sicht unmittelbarste und attraktivste Nutzung von Tablets wäre die Vernetzung von Lernern untereinander bzw. ggf. mit Dozenten oder “Inhaltslieferanten” (ja, ich kann meinen Fernstudien-Blickwinkel nicht völlig verleugnen!). Auch Lehrveranstaltungen über Webinare abzubilden ist eine interessante Nutzungsmöglichkeit (und ist durch die Integration der Kamera beim ipad 2 deutlich einfacher geworden). Viele Angebote für solche Integrationen habe ich aber nicht gefunden.

Die SRH Riedlingen wirbt neuerdings mit einem MBA per ipad. Dabei werden Dokumente in EPUUB zur Verfügung gestellt, es gibt Online-Veranstaltungen usw. Insgesamt scheint man einige der wichtigen Erwartungen zu erfüllen. Ich werde das Experiment im Auge behalten.

Über den Einsatz von ipads in amerikanischen Schulen berichtete bereits die New York Times in einem durchaus kritischen Artikel. Auch bei uns (z.B. an der Kaiserin-Augusta-Schule Köln) gibt es Ansätze, das ipad im Klassenraum zu nutzen, und einige Hochschulen (z.B. Kassel) haben ebenfalls erste Versuch laufen.

Mein persönliches Fazit:
Derzeit gibt es noch viel Luft nach oben, wenn es um die Möglichkeiten von Tablets in der Weiterbildung geht. Nicht unterschätzen sollte man aber den Wert, den ein spielerischer Umgang (Stichwort: Serious Games) mit Texten, Videos, Online-Anwendungen hat. Durch den Spaß am Spielen – den es beim ipad zweifelsohne gibt – wird vielleicht mehr erreicht als mit ausgefeilten didaktischen Anwendungen, die den Nutzer nicht erreichen.

PS: Gerade hat die FAZ einen lesenswerten Artikel zur Nutzung neuer Medien veröffentlicht. Zitat (in Verbindung mit der Diskussion um das ipad):

“Die neuen Lehrinstrumente machen Seminare und Vorlesungen aber nicht überflüssig – ganz im Gegenteil. Doch steht nicht mehr die Vermittlung von Wissen, sondern der Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden im Vordergrund.”