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lernen und arbeiten -


27. März 2011

Richard Sennett zu Google Wave

In der aktuellen  ZEIT findet sich der Vorabdruck eines Vortrages des berühmten Soziologen Richard Sennet. Ausgehend von Jacob Burckhardt formuliert er: “Die Gesellschaft erzeugt Komplexität, weiß aber nicht, was sie damit anfangen soll.”

Interessant sind seine Kronzeugen. Er schildert seine persönlichen Erfahrungen mit dem Programm Google Wave, das ja nach nur einem Jahr wieder eingestellt wurde. Das Programm sollte das kollaborative Arbeiten im Internet ermöglichen. (Nebenbemerkung: Ich hatte große Hoffnungen in diese Software gesetzt, um damit gemeinsame Lernprozesse für die Teilnehmer der Hamburger Akademie zu ermöglichen).

Sennets Erfahrung ist eine komplette Desillusionierung. Google Wave erzeuge eine lineare Dramaturgie und würde die Fruchtbarkeit lateraler Diskussionen eher verhindern. “Laterales Denken ist ein wichtiger Motor der Innovation”. Damit – so Sennets Fazit – war Google Wave zu einfach, zu schlicht für die Bewältigung der Komplexität einer fruchtbaren und kreativen Zusammenarbeit. Hier hatten die Entwickler die Nutzer unterschätzt.

Eine ähnliche Unterschätzung findet Sennet interessanterweise auch in der Finanzwelt. Die Topanalysten und Banker verstehen sehr oft nicht die Werkzeuge, die sie bedienen. Die Kommunikation zwischen den Programmierern – die sich als hochklassige Handwerker verstehen – und den “Bedienern”, nach deren Bedürfnissen die Software eigentlich entwickelt werden sollte, funktioniert in der Regel nicht.

Als Soziologen interessiert Sennet das Verhältnis zwischen den gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung. “Was die materielle Seite des Lebens betrifft, entwickeln unsere mdernen Kulturen einen immer höheren Grad an Komplexität. Aber der kooperative Gebrauch dieses Reichtums bleibt rudimentär.”

2. März 2011

Mode

Seit einigen Tagen läuft auf Arte eine “Fashion Week“. Mehrere kurze Filme sind der Situation kurz vor der Show gewidmet. Ich habe einige dieser Filme gesehen – zu Fendi, Lagerfeld, Sonia Rykiel, Prouenza & Schouler.  Die Situation ist immer ähnlich; die aktuelle  Kollektion muss noch auf die Models angepasst werden, es ist hektisch. Der/die Kreative/n haben noch Inspirationen, die alles Geplante über den Haufen werfen, Models werden krank, kommen zu spät, – und doch ist dann  natürlich jede Show neu, unverwechselbar, großartig.

Warum funktionieren diese Shows? Was ist das Geheimnis? Natürlich ist da zunächst der kreative Kopf, der Ideen- und oft auch Namensgeber. Diese Menschen haben dann einen (kleinen) Stab an Menschen um sich, denen sie absolut vertrauen (können). Das sind dann fast symbiotische Beziehungen zur ersten Schneiderin, zur Chefdesignerin, zu wem auch immer. Sehr wichtig ist dann der ganze Betrieb im Hintergrund – die Schneiderinnen, die dann die Nächte durchnähen, um die letzten Kleider anzupassen, zu besticken; der Sattler, der noch die letzten Lederaccessoires bringt,  usw.  Dann sind da natürlich die Models, die aber merkwürdig blass und austauschbar bleiben – einfach schöne Menschen, die aber hinter der Mode zurücktreten. Alle werden zusammengehalten duch die Begeisterung und Motivation für die Kollektion.

Ich habe mich in vielen Situationen an das eigene berufliche Umfeld erinnert gefühlt. Nein, wir sind als Bildungsunternehmen natürlich nicht so glamourös. Wir sind auch nicht auf solche Events ausgerichtet. Aber diese Begeisterung für unsere Sache, dafür, einen guten Job zu machen, auch wenn es mal turbulent wird, die finde ich auch bei uns. Es gibt genauso die “old hands”, die seit Jahrzehnten Ruhe und Gelassenheit in die Arbeit tragen; es gibt die vielen fleißigen Hände, die dafür sorgen, dass der Betrieb reibungslos läuft. Die Unerbittlichkeit eines Karl Lagerfelds beim Aussortieren der Modelle für die Show findet sich bei uns in dem klaren Bekenntnis zu bester Qualität.

Es gibt auch in der Hamburger Akademie diese Begeisterung für das Bessere, das Neue; wir arbeiten mit  Herzblut. Die Ikone an der Spitze kennen wir nicht – das ist wohl doch ein klarer Unterschied zur Modewelt. Aber auch bei uns geht es darum, mit guten Ideen und großem Engagement ein Publikum zu überzeugen.

27. Oktober 2010

Ideen Ideen

Wirklich schöne Darstellung eines Ideenfindungsprozesses von Frank Chimero, dessen Website sehr zu empfehlen ist.