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lernen und arbeiten -


30. April 2011

ipad in der Weiterbildung?

Nachdem der erste Hype um das ipad vorbei ist, habe ich mir nun vor einigen Wochen selbst eines gekauft. Was gibt es denn nun für tolle Anwendungen im Bereich Weiterbildung mit diesem Gerät?

Apple hat im Appstore immerhin einen eigenen Unterbereich geschaffen. Die Fülle ist zunächst beeindruckend, bei genauerem Hinsehen aber eher ernüchternd. Einige Anwendungen sind sicher sinnvoll – Wörterbücher zum Beispiel oder datenbankbasierte Drill-Übungen. Vieles ist aber einfach nur “ganz nett”, ohne mich wirklich zu begeistern.

Liegt die Enttäuschung an überzogenen Erwartungen? Vielleicht. Aus meiner Sicht könnte ein Tablett hervorragend genutzt werden

  1. für den Zugriff auf Inhalte mit einer intelligenten Bearbeitungsfunktion
  2. für die Integration unterschiedlicher Medien (Text, Film, Animation)
  3. für die Kommunikation in Lerngruppen und den Austausch im Lernverbund

1. Der Zugriff auf Lerninhalte funktioniert dann (gut), wenn diese adäquat aufbereitet sind. Also: das ipad nicht einfach als pdf-reader, sondern als ein Lesegerät für z.B. EPUB-Dokumente. Leider gibt es davon aber noch sehr wenige, und ehrlich gesagt – daran kann der Erfolg eine ipad nicht gemessen werden: EPUB können auch andere Lesegeräte verarbeiten.

2. Die Integration von Foto, Film und Text über EPUB hinaus geht von Lehr-bzw. Lernstoff aus, der didaktisch aufwändig aufbereitet ist. Das erfordert Zeit und Geld, und beides sind nur wenige Bildungsanbieter aufzubringen bereit. Angesichts der entstehenden Kosten für vernünftige Drehbücher nachvollziehbar, bewegen sich doch die im Appstore erzielbaren Preise meistens im Bereich von 1,99 bis 19,00 Euro.

3. Die aus meiner Sicht unmittelbarste und attraktivste Nutzung von Tablets wäre die Vernetzung von Lernern untereinander bzw. ggf. mit Dozenten oder “Inhaltslieferanten” (ja, ich kann meinen Fernstudien-Blickwinkel nicht völlig verleugnen!). Auch Lehrveranstaltungen über Webinare abzubilden ist eine interessante Nutzungsmöglichkeit (und ist durch die Integration der Kamera beim ipad 2 deutlich einfacher geworden). Viele Angebote für solche Integrationen habe ich aber nicht gefunden.

Die SRH Riedlingen wirbt neuerdings mit einem MBA per ipad. Dabei werden Dokumente in EPUUB zur Verfügung gestellt, es gibt Online-Veranstaltungen usw. Insgesamt scheint man einige der wichtigen Erwartungen zu erfüllen. Ich werde das Experiment im Auge behalten.

Über den Einsatz von ipads in amerikanischen Schulen berichtete bereits die New York Times in einem durchaus kritischen Artikel. Auch bei uns (z.B. an der Kaiserin-Augusta-Schule Köln) gibt es Ansätze, das ipad im Klassenraum zu nutzen, und einige Hochschulen (z.B. Kassel) haben ebenfalls erste Versuch laufen.

Mein persönliches Fazit:
Derzeit gibt es noch viel Luft nach oben, wenn es um die Möglichkeiten von Tablets in der Weiterbildung geht. Nicht unterschätzen sollte man aber den Wert, den ein spielerischer Umgang (Stichwort: Serious Games) mit Texten, Videos, Online-Anwendungen hat. Durch den Spaß am Spielen – den es beim ipad zweifelsohne gibt – wird vielleicht mehr erreicht als mit ausgefeilten didaktischen Anwendungen, die den Nutzer nicht erreichen.

PS: Gerade hat die FAZ einen lesenswerten Artikel zur Nutzung neuer Medien veröffentlicht. Zitat (in Verbindung mit der Diskussion um das ipad):

“Die neuen Lehrinstrumente machen Seminare und Vorlesungen aber nicht überflüssig – ganz im Gegenteil. Doch steht nicht mehr die Vermittlung von Wissen, sondern der Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden im Vordergrund.”