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lernen und arbeiten -


14. November 2011

Zuverlässigkeit

“Zuverlässigkeit entsteht nicht durch die Kontrolle der vorhandenen Bedingungen, sondern durch das permanente Adaptieren an sich verändernde Bedingungen”. So schreibt in einem Blogbeitrag die von mir schon einmal und gerne zitierte Annette Gebauer. Ihr Thema, das “mindfull organizing” ist mir nicht nur aus der betrieblichen Praxis eines Weiterbildungsinstitutes sympathisch, ich sehe darin auch eine Möglichkeit, gerade in den unsicheren Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise Verlässlichkeit zu schaffen. Vielleicht sind sogar einige der unerwarteteren Änderungen in der Politik von Angela Merkel aus der Einsicht geboren, dass es besser ist, sich gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen.

28. September 2011

Der dritte Weg der Beratung

Rudi Wimmer schätze ich nicht erst, seit ich ihn bei einem seiner gruppendynamischen Trainings  persönlich kennenlernen durfte. Er ist einer der großen Systemiker im deutschsprachigen Raum und hat in einem hervorragenden Aufsatz seine Ideen zu einer neuen Art von Beratung erläutert: “Systemische Organisationsberatung – jenseits von Fach- und Prozessberatung”. Der Beitrag ist bereits im letzten Jahr in der “Revue für Postheroisches Management” erschienen; ich habe ihn im aktuellen Reader der OSB-Beratergruppe entdeckt, deren Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter er ist. Dieser Reader kann übrigens kostenlos angefordert werden und enthält viele weitere höchst lesenswerte Beiträge.

Rudi Wimmer stellt fest, dass der Beratungsbedarf heute nicht mehr durch die bekannte Fachberatung oder die kommunikationsorientierte Prozessberatung befriedigt wird. Der Grad an Komplexität hat zugenommen, Organisationen sind mit sehr unterschiedlichen Problemkonstrukten konfrontiert.

Wimmer nutzt das Luhmannsche Sinnverständnis für eine Neupositionierung von Beratung. Die sachliche, zeitliche und soziale Sinndimension wird von den bisherigen Beratungskonzepten nur isoliert fokussiert; es fehlt ein Bewusstsein dafür, dass diese Dimensionen “unter Kombinationszwang” stehen (Originalzitat Luhmann im Text).

Der Vorschlag Wimmes bedeutet keine Komplementärberatung 2.0, nicht also ein Additiv zu den bisherigen Beratungsformen. Es geht ihm vielmehr um eine Neupositionierung der Beratungsposition gegenüber dem Kundensystem. “Der sorgfältige Umgang mit der Differenz von Beratung einerseits und Management und Führung andererseits ist daher gerade auch für die Arbeit in diesem integrativen Selbstverständnis konstituierend.” Beratung muss die drei Sinndimensionen parallel berücksichtigen, um gerade die einfachen (komplexitätsreduzierenden) Lösungen einer Aufspaltung in prozessuale Probleme einerseits, kommunikative Probleme andererseit zu vermeiden.

22. Juni 2011

Stadtluft macht frei

In einem bemerkenswerten Aufsatz hat der von mir sehr geschätzte Dirk Baecker in schon 2008 die Funktion der Stadt in verschiedenen Gesellschaften erarbeitet (Stadtluft macht frei: Die Stadt in den Medienepochen der Gesellschaft). Er untersucht Stadt danach, wie sie mit neuen Kommunikatione umgeht; insbesondere widmet er sich vier verschiedenen Stadtformen:

  • Stadt in der Stammesgesellschaft
  • Stadt in der Antike
  • Die moderne Stadt

Wie es sich gehört, hat Herr Baecker seinem Aufsatz ein Abstract, eine Zusammenfassung vorweggestellt. Dazu gibt es einen Film, der eine ganz wunderbare Umsetzung dieser Zusammenfassung ist – und richtig Lust auf den Artikel macht.

Ich bin ja immer auf der Suche nach gelungenen Visualisierungen anspruchsvoller Inhalte. Hier haben wir wieder ein tolles Beispiel!!

Next City from jan weigel on Vimeo.

Gesprochen hat Dirk Baecker offensichtlich selbst. Der Film entstand übrigens schon vor zwei Jahren im Zusammenhang mit der Neu-Entwicklung des Stadtteils Graz-Reininghaus; aufmerksam darauf wurde ich durch einen Blogbeitrag im “Management Zentrum X“.

Auch zum bookmarken: Die Diskussionspapiere der Zeppelin University, wo man den Aufsatz von Dirk Baecker ebenso findet wie viele andere hochinteressante Beiträge. Aktuell (Juni 2011) ist der neueste Artikel “Wie die Öffentlichkeit fassen?
Öffentlichkeit als normatives, als empirisches und als unvollständiges Konstrukt” von Cornelia Wallner und Marian Adolf. Für mich ein interessanter theoretischer “Adlerblick” auf das Thema Öffentlichkeit.

27. März 2011

Richard Sennett zu Google Wave

In der aktuellen  ZEIT findet sich der Vorabdruck eines Vortrages des berühmten Soziologen Richard Sennet. Ausgehend von Jacob Burckhardt formuliert er: “Die Gesellschaft erzeugt Komplexität, weiß aber nicht, was sie damit anfangen soll.”

Interessant sind seine Kronzeugen. Er schildert seine persönlichen Erfahrungen mit dem Programm Google Wave, das ja nach nur einem Jahr wieder eingestellt wurde. Das Programm sollte das kollaborative Arbeiten im Internet ermöglichen. (Nebenbemerkung: Ich hatte große Hoffnungen in diese Software gesetzt, um damit gemeinsame Lernprozesse für die Teilnehmer der Hamburger Akademie zu ermöglichen).

Sennets Erfahrung ist eine komplette Desillusionierung. Google Wave erzeuge eine lineare Dramaturgie und würde die Fruchtbarkeit lateraler Diskussionen eher verhindern. “Laterales Denken ist ein wichtiger Motor der Innovation”. Damit – so Sennets Fazit – war Google Wave zu einfach, zu schlicht für die Bewältigung der Komplexität einer fruchtbaren und kreativen Zusammenarbeit. Hier hatten die Entwickler die Nutzer unterschätzt.

Eine ähnliche Unterschätzung findet Sennet interessanterweise auch in der Finanzwelt. Die Topanalysten und Banker verstehen sehr oft nicht die Werkzeuge, die sie bedienen. Die Kommunikation zwischen den Programmierern – die sich als hochklassige Handwerker verstehen – und den “Bedienern”, nach deren Bedürfnissen die Software eigentlich entwickelt werden sollte, funktioniert in der Regel nicht.

Als Soziologen interessiert Sennet das Verhältnis zwischen den gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung. “Was die materielle Seite des Lebens betrifft, entwickeln unsere mdernen Kulturen einen immer höheren Grad an Komplexität. Aber der kooperative Gebrauch dieses Reichtums bleibt rudimentär.”

18. Januar 2011

Heinz von Foerster

Mit großem Vergnügen lese ich (wieder) in den “Gesprächen für Skeptiker”, die Bernhard Pörksen mit dem berühmten Kybernetiker Heinz von Foerster geführt hat. Sie sind unter dem schönen Titel “Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners” im Carl-Auer-Systeme Verlag erschienen.

In diesen Gesprächen geht es unter anderem um die Rolle des Managers und seine Funktion bei der Organisation von Unternehmen. Ein verbesserter Grad von Organisation setzt nach v. Foerster erst einmal voraus, dass man sich Gedanken darüber macht, welche Kriterien denn für diese Unterscheidung (nämlich der Verbesserung) gelten sollen. Für ihn sind es ein hetrarchischer Kommunikationsmodus und die Wahrnehmung des Betriebes als ein Ganzes.

“Dieser Manager sollte versuchen, sich und die anderen in ein heterarchisches Netzwerk einzuügen, so dass der Fluss des Wohlbefindens alle Mitglieder der Organisation erreicht und berührt. Und wenn dies dank seiner Weitsicht gelingt, dann hat er sein Ziel erreicht: Die Organisation organisiert sich selbst – und zwar auf eine Weise, die allen Freude macht.”

Ich bin von dieser sehr positiven Formulierung sehr angetan. Beim Total Quality Management nach EFQM habe ich ebenfalls eine solche Ganzheitlichkeit gefunden. Es geht eben auch darum, eine Organisation bzw. ein Unternehmen nicht nur eindimensional (nach Marktanteil, Umsatz oder Ergebnis)  zu beurteilen, sondern möglichst als etwas komplexes und mehrwertiges, das auch Innovationskraft einschließen kann oder Servicequalität.

Hier nochmal zur Erinnerung die Grundkonzepte der Excellence nach EFQM:

  • Ausgewogene Ergebnisse erzielen
  • Nutzen für den Kunden schaffen
  • Mit Vision, Inspiration und integrität führen
  • Mit Prozessen managen
  • Durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich sein
  • Innovation und Krativität fördern
  • Partnerschaften gestalten
  • Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen
26. Mai 2010

Dirk Baecker zur Computergesellschaft

Der Soziologe Dirk Baecker äußerte sich im Schweizer Fernsehen zu den “Krisen der Computergesellschaft”. Das Gespräch mit Roger de Weck lohnt sich in voller Länge!