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lernen und arbeiten -


31. Mai 2011

Untergang der Steckenpferde

In einem netten Beitrag der Financial Times Deutschland stellt Nina Anika Klotz leicht bedauernd fest, dass die traditionellen persönlichen Hobbies auf dem Rückzug sind. Die Begeisterung für das Briefmarkensammeln oder die Märklin-Eisenbahn einte früher jung und alt, heute haben solche Freizeitbeschäftigungen an Boden verloren. Zitiert wird auch der Kulturwissenschafter Ingo Mörth, der die Pflege eines facebook-Profils als Hobby gelten lassen würde. Mörth: “Ein gutes Hobby ist ein Hobby, das wirklich frei von Verpflichtungskomponenten ist und Raum bietet, seine eigene Identität und Kreativität zu entfalten.”

Aus meiner beruflichen Fernschul-Perspektive kann ich die Beobachtungen von Frau Klotz nur teilen. Gerade kreative Lehrgänge wurden vor zwanzig Jahren noch wesentlich zweckfreier belegt als heute. Kreatives Schreiben zu lernen, Malen und Zeichnen oder eine exotische Sprache wie Isländisch oder Malaysisch diente der Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizontes. Heute beobachten wir zunehmend, dass beispielsweise Sprachen nur mit einer sehr klaren Nutzenvorstellung belegt werden. Nicht überraschend ist daher, dass zum Beispiel Französisch den zweiten Rang (nach Englisch) schon lange an Spanisch abgegeben hat.

Gleichzeitig beobachte ich aber, dass sich durch das Internet auch ungewöhnliche Hobbies sehr schnell ausbreiten. Ob es nun so etwas wie scrapbooking ist, Online-Spiele wie World of Warcraft oder das Sammeln von irgendwelchen Kuriositäten: Viele Menschen verbringen eine Menge Zeit mit Dingen, die ausschließlich der Selbstverwirklichung dienen.

Offensichtlich ist also beides richtig. Die traditionellen Hobbies verlieren – gegenüber neuen, die aufgrund ihrer Neuartigkeit nicht als Hobby angesehen werden. Gemeinsam ist allen aber, dass sie Zeit kosten. Und Zeit ist angesichts der vielen Möglichkeiten heute knapper als je zuvor – obwohl wir weniger davon für unseren Broterwerb aufwenden müssen.

2. März 2011

Mode

Seit einigen Tagen läuft auf Arte eine “Fashion Week“. Mehrere kurze Filme sind der Situation kurz vor der Show gewidmet. Ich habe einige dieser Filme gesehen – zu Fendi, Lagerfeld, Sonia Rykiel, Prouenza & Schouler.  Die Situation ist immer ähnlich; die aktuelle  Kollektion muss noch auf die Models angepasst werden, es ist hektisch. Der/die Kreative/n haben noch Inspirationen, die alles Geplante über den Haufen werfen, Models werden krank, kommen zu spät, – und doch ist dann  natürlich jede Show neu, unverwechselbar, großartig.

Warum funktionieren diese Shows? Was ist das Geheimnis? Natürlich ist da zunächst der kreative Kopf, der Ideen- und oft auch Namensgeber. Diese Menschen haben dann einen (kleinen) Stab an Menschen um sich, denen sie absolut vertrauen (können). Das sind dann fast symbiotische Beziehungen zur ersten Schneiderin, zur Chefdesignerin, zu wem auch immer. Sehr wichtig ist dann der ganze Betrieb im Hintergrund – die Schneiderinnen, die dann die Nächte durchnähen, um die letzten Kleider anzupassen, zu besticken; der Sattler, der noch die letzten Lederaccessoires bringt,  usw.  Dann sind da natürlich die Models, die aber merkwürdig blass und austauschbar bleiben – einfach schöne Menschen, die aber hinter der Mode zurücktreten. Alle werden zusammengehalten duch die Begeisterung und Motivation für die Kollektion.

Ich habe mich in vielen Situationen an das eigene berufliche Umfeld erinnert gefühlt. Nein, wir sind als Bildungsunternehmen natürlich nicht so glamourös. Wir sind auch nicht auf solche Events ausgerichtet. Aber diese Begeisterung für unsere Sache, dafür, einen guten Job zu machen, auch wenn es mal turbulent wird, die finde ich auch bei uns. Es gibt genauso die “old hands”, die seit Jahrzehnten Ruhe und Gelassenheit in die Arbeit tragen; es gibt die vielen fleißigen Hände, die dafür sorgen, dass der Betrieb reibungslos läuft. Die Unerbittlichkeit eines Karl Lagerfelds beim Aussortieren der Modelle für die Show findet sich bei uns in dem klaren Bekenntnis zu bester Qualität.

Es gibt auch in der Hamburger Akademie diese Begeisterung für das Bessere, das Neue; wir arbeiten mit  Herzblut. Die Ikone an der Spitze kennen wir nicht – das ist wohl doch ein klarer Unterschied zur Modewelt. Aber auch bei uns geht es darum, mit guten Ideen und großem Engagement ein Publikum zu überzeugen.

9. November 2010

Bildung aus Leidenschaft

In der Diskussion über Qualität in der Bildung wird immer deutlicher, wie wichtig die Einstellungen und Haltung zur Bildung für den Nutzer ist.

Erfolgreiche Bildung hat – wie jedes erfolgreiche Produkt – IMMER mit Leidenschaft zu tun. Ich finde den Slogan der Deutschen Bank “Leistung aus Leidenschaft” nicht wirklich gelungen. Hier passen Anspruch und Image meiner Meinung nach nicht gut zusammen. Andererseits wird hier die Leidenschaft, die Begeisterung als Begriff in die Diskussion eingeführt.

Richtig ist, dass ich als Kunde in der Regel gut informiert bin, wenn ich mich für einen Lehrgang entscheide. Was also macht den Unterschied, was führt zu einer konkreten Entscheidung für oder gegen ein Angebot?

In vielen Fällen natürlich der Preis. Das ist bei fast allen Kaufentscheidungen ein wichtiger Faktor. Bei einer so langfristigen Dienstleistung wie einer Weiterbildung spielt aber immer stärker die wahrgenommenen Qualität, das Niveau des Services, und das persönliche Engagement, ja – eben – die Leidenschaft des Anbieters eine Rolle.

Dort kommt man dann auch glücklicherweise zu einem sehr intelligenten Regulativ unserer Marktwirtschaft. Leidenschaft nämlich kann man nur dann zeigen, wenn man sie empfindet; Leidenschaft kann kein Vorgesetzter anordnen, sie ist nicht durch Geld käuflich. Sie kann sich aber entwickeln, wenn man/frau sich identifizieren kann mit seinem/ihrem “Produkt”. Das gelingt umso leichter, je stärker diese Begeisterung anerkannt wird – von Vorgesetzten, aber auch von den Kunden.

Und genau das ist auch unsere Erfahrung mit unseren Teilnehmern. In diesen Fällen ist ein Unterschied wahrgenommen worden bei einem oft doch sehr ähnlichen “Produkt”.

Bildung aus Leidenschaft betrifft im besten Fall also beide Seiten: den, der sich bilden will (und nicht nur “muss”), und den, der Bildung anbietet.