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lernen und arbeiten -


8. März 2013

Systemische Gruppendynamik

In einem Artikel der Zeitschrift OrganisationsEntwicklung wird das Loblied auf “Die neue Aktualität der (”systemischen”) Gruppendynamik” gesungen. Das wäre nicht wirklich bemerkenswert – wenn es nicht von Roswita Königswieser, Rudolf Wimmer und Fritz B. Simon angestimmt würde. Anlass genug für mich, den Artikel zu lesen und hier weiter zu empfehlen. Ich habe einmal persönlich an einer solchen Systemischen T-Gruppe (Trainings-Gruppe) teilgenommen, eine wirklich sehr intensive Erfahrung. Der Nutzen liegt in der doppelten Rolle – man ist Gruppenteilnehmer und -beobachter zugleich, reflektiert und agiert gleichermaßen, ist auf sich gestellt und eingebettet in die Interaktion der Gruppe. Wer die Chance bekommt, an einer solchen T-Gruppe einmal teilzunehmen, sollte sie meiner Meinung nach unbedingt nutzen.

12. August 2012

Präsentationen mit Powerpoint meiden?

In seinem neuen Buch (Wie man führt, ohne zu dominieren: 29 Regeln für ein kluges Leadership) gibt Prof. Rolf Arnold viele Anregungen für Führungskräfte. Besonders einleuchtend: Das Kapitel über Powerpoint. “Regel 18: Meiden Sie ausgetüftelte Powerpoint-Präsentationen!”

Wer kennt das nicht – diese Präsentationen, die oft genug nur den gesprochenen Text abbilden? So dass man an eine Wand starrt, mitliest (oder auch nicht) und sich fragt, warum das nicht als Hintergrundinformation vorab verteilt worden ist?

Arnold bemängelt insbesondere, dass viele Powerpoint-Präsentationen den Zuschauer in eine passive Rolle bringen. Es wird etwas eben “präsentiert”, wo Arnold sich vielmehr Dialog wünscht. Gerade die starke Strukturiertheit signalisiert, dass das Dargebotene bestens durchdacht und von zwingender Logik ist. Es entsteht eine sehr deutliche Hierarchie – hier der Präsentator, dort die lauschende (bzw. eingeschlafene …) Masse.

Ich kann Rolf Arnold weit folgen mit seiner Kritik, auch wenn ich selbst Powerpoint schätze, um in verdichteter Form einen Gedankengang einem größeren Personenkreis darzubieten. Auch bei den TED-Veranstaltungen gibt es viele gute Beispiele für gelungene Präsentationen. Was aber bleibt, ist die Frage, wie dann der Dialog eröffnet werden kann. Dialog bedeutet aber immer Risiko – er ist nicht planbar, er braucht Mut. Insofern lese ich Rolf Arnolds Hinweise als Anregung, das “Präsentationen” umzuwidmen in die Chance, gemeinsam zu lernen.

28. September 2011

Der dritte Weg der Beratung

Rudi Wimmer schätze ich nicht erst, seit ich ihn bei einem seiner gruppendynamischen Trainings  persönlich kennenlernen durfte. Er ist einer der großen Systemiker im deutschsprachigen Raum und hat in einem hervorragenden Aufsatz seine Ideen zu einer neuen Art von Beratung erläutert: “Systemische Organisationsberatung – jenseits von Fach- und Prozessberatung”. Der Beitrag ist bereits im letzten Jahr in der “Revue für Postheroisches Management” erschienen; ich habe ihn im aktuellen Reader der OSB-Beratergruppe entdeckt, deren Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter er ist. Dieser Reader kann übrigens kostenlos angefordert werden und enthält viele weitere höchst lesenswerte Beiträge.

Rudi Wimmer stellt fest, dass der Beratungsbedarf heute nicht mehr durch die bekannte Fachberatung oder die kommunikationsorientierte Prozessberatung befriedigt wird. Der Grad an Komplexität hat zugenommen, Organisationen sind mit sehr unterschiedlichen Problemkonstrukten konfrontiert.

Wimmer nutzt das Luhmannsche Sinnverständnis für eine Neupositionierung von Beratung. Die sachliche, zeitliche und soziale Sinndimension wird von den bisherigen Beratungskonzepten nur isoliert fokussiert; es fehlt ein Bewusstsein dafür, dass diese Dimensionen “unter Kombinationszwang” stehen (Originalzitat Luhmann im Text).

Der Vorschlag Wimmes bedeutet keine Komplementärberatung 2.0, nicht also ein Additiv zu den bisherigen Beratungsformen. Es geht ihm vielmehr um eine Neupositionierung der Beratungsposition gegenüber dem Kundensystem. “Der sorgfältige Umgang mit der Differenz von Beratung einerseits und Management und Führung andererseits ist daher gerade auch für die Arbeit in diesem integrativen Selbstverständnis konstituierend.” Beratung muss die drei Sinndimensionen parallel berücksichtigen, um gerade die einfachen (komplexitätsreduzierenden) Lösungen einer Aufspaltung in prozessuale Probleme einerseits, kommunikative Probleme andererseit zu vermeiden.

18. Januar 2011

Heinz von Foerster

Mit großem Vergnügen lese ich (wieder) in den “Gesprächen für Skeptiker”, die Bernhard Pörksen mit dem berühmten Kybernetiker Heinz von Foerster geführt hat. Sie sind unter dem schönen Titel “Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners” im Carl-Auer-Systeme Verlag erschienen.

In diesen Gesprächen geht es unter anderem um die Rolle des Managers und seine Funktion bei der Organisation von Unternehmen. Ein verbesserter Grad von Organisation setzt nach v. Foerster erst einmal voraus, dass man sich Gedanken darüber macht, welche Kriterien denn für diese Unterscheidung (nämlich der Verbesserung) gelten sollen. Für ihn sind es ein hetrarchischer Kommunikationsmodus und die Wahrnehmung des Betriebes als ein Ganzes.

“Dieser Manager sollte versuchen, sich und die anderen in ein heterarchisches Netzwerk einzuügen, so dass der Fluss des Wohlbefindens alle Mitglieder der Organisation erreicht und berührt. Und wenn dies dank seiner Weitsicht gelingt, dann hat er sein Ziel erreicht: Die Organisation organisiert sich selbst – und zwar auf eine Weise, die allen Freude macht.”

Ich bin von dieser sehr positiven Formulierung sehr angetan. Beim Total Quality Management nach EFQM habe ich ebenfalls eine solche Ganzheitlichkeit gefunden. Es geht eben auch darum, eine Organisation bzw. ein Unternehmen nicht nur eindimensional (nach Marktanteil, Umsatz oder Ergebnis)  zu beurteilen, sondern möglichst als etwas komplexes und mehrwertiges, das auch Innovationskraft einschließen kann oder Servicequalität.

Hier nochmal zur Erinnerung die Grundkonzepte der Excellence nach EFQM:

  • Ausgewogene Ergebnisse erzielen
  • Nutzen für den Kunden schaffen
  • Mit Vision, Inspiration und integrität führen
  • Mit Prozessen managen
  • Durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich sein
  • Innovation und Krativität fördern
  • Partnerschaften gestalten
  • Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen
26. Mai 2010

Dirk Baecker zur Computergesellschaft

Der Soziologe Dirk Baecker äußerte sich im Schweizer Fernsehen zu den “Krisen der Computergesellschaft”. Das Gespräch mit Roger de Weck lohnt sich in voller Länge!