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Untergang der Steckenpferde

In einem netten Beitrag der Financial Times Deutschland stellt Nina Anika Klotz leicht bedauernd fest, dass die traditionellen persönlichen Hobbies auf dem Rückzug sind. Die Begeisterung für das Briefmarkensammeln oder die Märklin-Eisenbahn einte früher jung und alt, heute haben solche Freizeitbeschäftigungen an Boden verloren. Zitiert wird auch der Kulturwissenschafter Ingo Mörth, der die Pflege eines facebook-Profils als Hobby gelten lassen würde. Mörth: „Ein gutes Hobby ist ein Hobby, das wirklich frei von Verpflichtungskomponenten ist und Raum bietet, seine eigene Identität und Kreativität zu entfalten.“

Aus meiner beruflichen Fernschul-Perspektive kann ich die Beobachtungen von Frau Klotz nur teilen. Gerade kreative Lehrgänge wurden vor zwanzig Jahren noch wesentlich zweckfreier belegt als heute. Kreatives Schreiben zu lernen, Malen und Zeichnen oder eine exotische Sprache wie Isländisch oder Malaysisch diente der Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizontes. Heute beobachten wir zunehmend, dass beispielsweise Sprachen nur mit einer sehr klaren Nutzenvorstellung belegt werden. Nicht überraschend ist daher, dass zum Beispiel Französisch den zweiten Rang (nach Englisch) schon lange an Spanisch abgegeben hat.

Gleichzeitig beobachte ich aber, dass sich durch das Internet auch ungewöhnliche Hobbies sehr schnell ausbreiten. Ob es nun so etwas wie scrapbooking ist, Online-Spiele wie World of Warcraft oder das Sammeln von irgendwelchen Kuriositäten: Viele Menschen verbringen eine Menge Zeit mit Dingen, die ausschließlich der Selbstverwirklichung dienen.

Offensichtlich ist also beides richtig. Die traditionellen Hobbies verlieren – gegenüber neuen, die aufgrund ihrer Neuartigkeit nicht als Hobby angesehen werden. Gemeinsam ist allen aber, dass sie Zeit kosten. Und Zeit ist angesichts der vielen Möglichkeiten heute knapper als je zuvor – obwohl wir weniger davon für unseren Broterwerb aufwenden müssen.

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