Bunte Bilderbögen waren im 19. Jahrhundert sehr verbreitet und beliebt. In Deutschland gab es z.B. die Neuruppiner Bilderbogen, die Münchener Bilderbogen und etliche mehr. Die Bögen wurden z.T. mit der Hand bzw. mit Schablonen koloriert, später auch als farbige Lithografien angefertigt. In den folgenden Abbildungen kann man die Handkolorierung an den Ungenauigkeiten gut erkennen – es handelte sich ja um Massenprdukte, da wurden grobe Schablonen genutzt.
Ein auflagenstarker französischer Herausgeber solcher Bilderbögen war die Firma Pellerin in Epinal. Die Firma wurde von Jean-Charles Pellerin gegründet und begann zu Zeiten der französischen Revolution mit der Veröffentlichung solcher Bilderbögen. Das Unternehmen wurde von seinem Sohn Nicolas und später seinem Enkel Charles-Nicolas weitergeführt. Die „Imagerie d’Épinal“ war quasi die Marke, unter der die Blätter erschienen; die Bezeichnungen finden sich parallel wie z.B. in dem weiter unten gezeigten Beispielen.
Die Popularität der Bilderbögen resultierte unter anderem daher, dass sie als Bastel – und Ausschnittbögen dienen konnten. In einem alten Band, der dem Theater und der Kostümkunde gewidmet war (mit Bögen aus unterschiedlichen Zeiten und nicht zusammenhängender Nummerierung) fand ich beispielsweise der Bogen „Personnages des Rues de Paris“. Die Figuren sollten auf Karton geklebt, ausgeschnitten und dann in einem Papiertheater genutzt werden. Ein solches Theater konnte beispielsweise wie folgt aussehen:

Der mittlere Teil (hier der Marktplatz) konnte gegen andere Szenen ausgetauscht werden, z.B. die folgenden (die naturgemäß kleiner waren, es passten zwei Szenen auf ein Blatt):


Je nach Handlung wurden unterschiedliche Personen benötigt. Und hier endlich kommen wir zum angekündigten „Suchbild“: Wo ist die Putzmacherin?

Gefunden? Die Putzmacherin ist ungefähr in der Mitte zu finden, als eine Person, die ganz selbstverständlich zum Pariser Stadt- und Straßenbild gehörte. Sie ist eindeutig zu identifizieren durch die große runden Schachtel, die sie mit der linken Hand trägt. Aufmerksame Beobachter_innen werden sich fragen, was es denn dann aber mit den viereckigen Schachteln auf sich hat, die sie rechts unter dem Arm trägt? Tatsächlich handelte es sich hier – genäß der „Iconographie“ – nicht um Hut-, sondern um Kleidungsschachteln. Es zeigt sich eben, dass eine Putzmacherin auch für weiter Putzgegenstände zuständig war. Das konnten Spitzen sein, feine Galanteriewaren oder Ähnliches.

In welchem Theaterstück die Putzmacherin ihren Auftritt haben würde, bleibt leider unklar. Der bereits erwähnte Band entält auch kurze Stücke zur Aufführung, für die dann diese bzw. weitere Personen benötigt wurden. Hier folgt ein Beispiel:

Leider ist in diesem Stück keine Putzmacherin vorgesehen. Es bleibt also weiterer Suche vorbehalten, in der „Imagerie d’Épinal“ die passenden Theaterstücke zu finden. Hinweise gerne an den Autor!
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