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Die Ungleichheit in der Gesellschaft

und ihre Auswirkung auf Faktoren wie Anzahl der Morde, Kindersterblichkeit, Bildungsstand bei 15jährigen usw. wurden detailliert untersucht von Kate Picket und Richard Wilkinson. In einem sehr interessanten Interview mit Kate Picket, das in der letzten Sonntags-taz erschien, hat sie die Ergebnisse ihrer Studien vorgestellt.

Beeindruckend fand ich, dass es hier nicht um eine weltanschaulich geprägte Befindlichkeit ging, sondern dass eine Wissenschaftlerin ziemlich klar und präzise über harte Fakten sprach, die aus offiziellen Quellen der Weltbank, der Uno usw. stammen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind sehr eindeutig. Je größer die Ungleichheit in einer Gesellschaft – gemessen als Unterschied zwischen den höchsten 20% und niedrigsten20% der Einkommen – , desto größer die Schwierigkeiten, mit denen diese Gesellschaft zu kämpfen hat, und desto geringer der Grad an geäußerter Zufriedenheit. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird – auch das lässt sich ja mit harten Zahlen belegen – in den letzten Jahren immer größer. Erstaunlich finde ich, dass offensichtlich kulturelle Unterschiede weniger bedeutsam sind als die echte Einkommensdifferenz.

Natürlich ist das Ergebnis ein politisches. Wichtg scheint mir, dass es nicht darum geht, eine Einheitsgesellschaft zu schaffen. Das ist unrealistisch. Aber ein Land wie Norwegen, in dem die Einkommensunterschiede deutlich geringer sind als bei uns in Deutschland, ist vielleicht ein gutes Beispiel, dass eine geringere Einkommensspreizung nicht den Untergang des Abendlandes bedeutet. Letztlich entstehen durch die Folen der Ungleichheit so große Schäden, dass es auch unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll sein müsste, hier den Hebel anzusetzen. Das ist natürlich inhaltlich eine Kampfansage an den Wirtschaftsliberalismus, aber in den letzten Monaten und Jahren scheint sich ja doch die Erkenntnis durchzusetzen, dass wir mit diesen Modell die vielen Probleme unserer Gesellschaft nicht werden lösen können.

Auf jeden Fall empfehlenswerte Lektüre und food for thought!

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