Dass die Putzmacherin auch irgendwann als Ausschneidepuppe auftauchen würde, war eigentlich erwartbar. Immerhin haben Ausschneidebögen eine lange Tradition. Wikipedia nennt die Zeit um 1650, in der erstmals solche Bögen mit Anziehpuppen nachweisbar sind. Richtig in Mode kamen die Bögen allerdings erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, zeitgleich mit den bunten Bilderbögen (z.B. die „Neu-Ruppiner Bilderbögen“), die in der gleichen Technik vervielfältigt wurden. Wieder einmal spielte übrigens die Technik eine gewichtige Rolle. Erst mit dem Holzstich wurde die Möglichkeit geschaffen, Bild und Text in einem Arbeitsgang zu drucken, was die Herstellungskosten für solche Druckwerke enorm verbilligte. Zu ungefähr derselben Zeit wurde der Holzschliff erfunden, und damit eine günstige Möglichkeit, Papier indstriell herzustellen. Ohne diese beiden Erfindungen wäre es unmöglich gewesen, gedruckte Massenprodukte herzustellen. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher usw. konnten so für billiges Geld insbesondere vom aufkommenden (Klein-) Bürgertum erworben werden.


Zum Spielen mussten die frühen Ausschneidebögen auf eine stärkere Pappe geklebt werden, um überhaupt handhabbar zu sein. Andere wurden direkt auf Karton gedruckt, waren dann aber natürlich auch schwieriger auszuschneiden. So verhielt es sich auch mit „Ma Modiste“.

Über den Verlag der „Éditions Plumont“ gibt es kaum etwas zu finden; vom Verleger Eugène Plumont wissen wir nur wenig mehr als die Lebensdaten (1880 – 1957). Die wenigen Veröffentlichungen von Plumont stammen alle aus der Zeit zwischen 1943 und 1946 und sind in Biaritz und Pao erschienen. Der Bilderbogen „Ma Modiste“ trägt die Nummer eins, möglicherweise sind nur wenige weitere Nummern erschienen.
Gezeigt wird ein Putzmacherladen bzw. Atelier gezeigt. In einer kleinen Skizze rechts neben der Figur wird der Aufbau gezeigt. Auffallend ist natürlich die Farbstellung in Gelb und Schwarz, die die ganze Szenerie prägt. Sehr hübsch auch die vielen Details wie zum Beispiel die kleinen Figuren, die quasi die Hutträger festhalten. Die Figur ist nicht etwa die Putzhändlerin selbst (das ist dann wohl das spielende Kind), sondern die Kundin, die die unterschiedlichen Hüte anprobieren kann: „La cliente peut essayer tous les chapeaux“. Bei einer so vielfältigen Auswahl hat ihr das sicher – unterstützt von der lebendigen kleinen Modistin – viel Freude bereitet!
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