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Deutungshoheit

Seit einiger Zeit verfolge ich die Auseinandersetzung zwischen Eva Beuys und dem Museun Schloss  Moyland. Frau Beuys war früher schon nicht einverstanden mit der Führung des Museums (möglicherweise zu Recht) und fordert nun – nachdem das Haus unter völlig neuer Leitung steht – auch Werke zurück. Dabei geht es um die Präsentation ebenso wie um die wissenschaftliche Erschließung. Zugespitzt hat sich die Situation, seit Eva Beuys gerichtlich verbieten ließ, dass Fotos einer Beuys-Aktion in Moyland ausgestellt werden.

Ganz abgesehen von den vielschichtigen Komflikten und Interessen finde ich insbesoen ndere den Begriff der „Deutungshoheit“ überraschend und entlarvend, der von den Medien benutzt wird und ein Grundproblem bei Kunstwerken widerspiegelt. Gibt es eine eindeutige Aussage dessen, was der Künstler / ein Künstler uns sagen will? Natürlich hat wohl jeder Künstler ursprünglich eine Intention. Ob die aber verständlich ist, bleibt die erste Frage, die zweite ist aber, ob es (immer) jemanden gibt, der es besser weiß.

Bei der Betrachtung von mittelalterlicher Kunst ist es gut, etwas über christlche Ikonografie zu wissen. Wer die Guernica von Picasso sieht, braucht aber vielleicht weniger über den konkreten Schaffungszusammenhang zu erfahren – die Empfundung der Stimmung ist wahrscheinlich zeitlos. Wir sollten – wie es gute Museen heute tun – weniger erklären, was der Künstler damit sagen will, als vielmehr Lesehilfen geben für das, was man sieht.

Im Fall von Beuys finde ich das Spektakel jedenfalls völlig unangemessen, – es widerspricht der großen Liberalität und Offenheit von Beuys. Dass Fotos von seinen Aktionen nun auch Werke nicht der Fotografen, sondern Werke von Beuys selbst sein sollen, verschlägt mir die Sprache. Ich bin neugierig, wie sich diese Haltung in Zukunft auf die künstlerische Fotografie und den Film auswirkt.

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