Allgemein Kunst

7000 Eichen in Oldenburg? Zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys

Am 12.05.2021 wäre Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden. Ja, mit der Putzmacherei, dem Thema dieser Website, hat das wenig zu tun – abgesehen von der Tatsache, dass er ein berühmter Hutträger war und das Material Filz sehr wesentlich für sein Werk ist. Aber sein Geburtstag ist meiner Meinung nach wichtig genug, um auch hier berücksichtigt zu werden. Und zu seinen Hüten gibt es auch etwas zu sagen.

Die Aktion „7000 Eichen“ gilt als sein größtes, längstes und vielleicht wichtigstes Projekt. 1982 ließ er in Kassel zur Documenta 7000 Basaltblöcke keilförmig aufschütten. Für damals 500 D-Mark konnte man die Patenschaft für die Pflanzung einer Eiche übernehmen, der dann ein solcher Basaltstein beigegeben wurde. Der grüne, wachsende und lebendige Baum sollte korrespondieren mit der kristallinen, erstarrten Form des Basaltblockes. Thema, Sinn der Aktion war: „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. 1987 – erst nach dem Tod von Beuys – wurde der letzte Baum gepflanzt. Beuys war die Natur stets sehr wichtig – Naturmotive spielen in seinem Werk eine große Rolle, und 1980 war er sogar einer der Mitgründer der Partei „Die Grünen“.

Eine Idee schlägt Wurzeln. Joseph Beuys - 7000 Eichen. Postkarte Copyright FIU Kassel
Eine Idee schlägt Wurzeln. Joseph Beuys – 7000 Eichen. Postkarte Copyright FIU Kassel
Bringen Sie Ihren Stein ins Rollen. Joseph Beuys - 7000 Eichen. Postkarte Copyright FIU Kassel
Bringen Sie Ihren Stein ins Rollen. Joseph Beuys – 7000 Eichen. Postkarte Copyright FIU Kassel

Nun ergab sich, dass ich auf Ebay Kleinanzeigen das Angebot für einen Basaltstein aus dieser Aktion entdeckte. Er stammte von einem Grundstück in Kassel; der Baum war nicht mehr da, das Haus wurde abgerissen, der Stein: übrig. Ich konnte ihn kaufen, holte ihn nach Oldenburg (genauer: an die Grenze, er steht 5 Meter außerhalb schon auf Bad Zwischenahner Gebiet) und pflanzte gemeinsam mit meiner Partnerin einen Baum auf ihrem Grundstück. Nun gibt es wieder „7000 Eichen“…. und hier wohl das nördlichste Exemplar.

Eiche, gepflanzt am 100. Geburtstag von Joesph Beuys, als Teil der Aktion „7000 Eichen“

Zum Hut, neben der Weste einem „Markenzeichen“ von Joseph Beuys, gibt es schon vielerlei Geschichten. Dazu ein Auszug aus einem Interview, das Raimund Le Viseur für das Kunstmagazin art mit Eva Beuys führte:

„art: Ist es noch derselbe Hut, den er ((Beuys)) schon 1958 trug?“ ((1958 haben sich Eva Beuys (damals Wurmbach) und Joseph Beuys kennengelernt))
„Eva Beuys: Immer das gleiche Modell; aber nicht derselbe Hut. Kein Hut hält ja so lange. Es muß immer ein Stetson sein, ein ganz normaler, klassischer, englischer Hut. Den kaufe ich, weil mein Mann prinzipiell nicht in ein Geschäft geht.
art: Wie oft ist denn Hutwechsel?
Eva Beuys: Alle fünf Jahre.
art: Welche Größe muß es sein?
Eva Beuys: Weiß ich nicht. Ich versuche den richtigen Farbton abzuschätzen. Ich schleppe meistens einige Hüte nach Hauses, und dann bringe ich die, die Beuys nicht will, wieder zurück.

art. Das Kunstmagazin. 1. Ausgabe 1982, S. 57

Beuys trug wohl (auch) deshalb immer einen Hut, weil er aufgrund einer Kriegsverletzung am Kopf sehr empfindlich war. Indes – ein Herrenhut gehört in den Themenkontext der Hutmacherei, nicht in den auf die weibliche Kleidung fokussierten der Putzmacherei.

Eine Verbindung zur Putzmacherei besteht bestenfalls über das von Beuys gerne und oft verwendete Material Filz. Filz steht bei ihm für Wärme, für Isolation von Energie, für Schutz. In der Putzmacherei – da ist der Filzstumpen schlicht ein wichtiges Ausgangsmaterial für Hüte, die dann von der Putzmacherin / Modistin geformt und geschmückt wurden. Und die Stumpen – die bezog und bezieht frau/man immer noch vom Hutmacher …

Es bleibt schwierig mit Beuys und der Putzmacherei.

Hier noch ein schönes Zitat von Joseph Beuys aus einer Veranstaltung mit Kindern im Atelier von Otto Muehl am 26.01.1983:

„Flo: Warum ziehst Du keine neuen Hüte an?“
„Beuys: Doch, ich ziehe immer einen neuen an! Den hier habe ich jetzt ungefähr ein halbes Jahr. Wenn der zwei Jahre alt ist, dann wird er auch ärmer, dann schwitzt der durch, dann wird der fettig, wird unappetitlich, und dann nehme ich den nächsten – aber immer denselben! Die alten Hüte verkaufe ich!… Das ist ein Hut, der wird in einer ganz kleinen Werkstatt gemacht in England, die haben auch – das wird man vielleicht später einmal in der Geschichte hören – den Hut von Lord Nelson gemacht, so einen Dreispitz. Und die haben auch den Hut von Wellington gemacht, der bei Waterloo gegen Napoleon siegte, einen flachen mit zwei so Seitenspitzen.- Es ist eine kleine Werkstatt, die machen auch noch Feuerwehrhüte! Ich bin zufällig auf diese Firma gekommen, ich hab mal irgendwo in London so eine Aktion gemacht, da hab ich den gesehen, hab gedacht, das könnte der Hut sein, der am ähnlichsten ist demjenigen, den ich vorher hatte. Und seit der Zeit hab ich nur noch diesen.“

Gespräche mit Beuys. Joseph Beuys in Wien und am Friedrichshof. Ritter Verlag, Wien 1988, S. 26-27

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