Fundstücke Putzmacherei und Putzmacherin

Die verschwendungssüchtige Putzmacherin Amalia Mohaupt

Verschwendungssüchtig – so wird die Ehefrau Adalbert Stifters oft beschrieben (1811-1883). Dies vertrug sich nicht gut mit den Finanzen der Familie; Stifter selbst verdiente nicht viel und war erst gegen Ende seines Lebens auch literarisch erfolgreich. Das Geld war knapp in der Familie Stifter… Amalia stammte aus sog. kleinen Verhältnissen; der Vater war Unteroffizier und bereits pensioniert, als Stifter sie kennenlernte. In allen Quellen findet sich der Hinweis, dass er sie (1837) primär aus Trotz geheiratet habe; er war offensichtlich zuvor unglücklich verliebt in Fanny (Fanni) Greipl, die seine Liebe aber nicht erwiderte und 1836 einen anderen ehelichte.

Amalia Stifter geb. Mohaupt um 1860
Amalia Stifter geb. Mohaupt um 1860

Über die Tätigkeit als Putzmacherin ist im Falle Amalia Mohaupt nichts zu erfahren. Stifter habe sie 1831 auf einem Ball kennengelernt und seit 1832 (1833?) ein Verhältnis mit ihr begonnen (Neumann, Ursula: Adalbert Stifter. Metzler, Stuttgart 1979, S. 4). Da war sie 21 bzw. 22 Jahre alt und hätte durchaus schon seit einigen Jahren als Putzmacherin tätig sein können. Ihre fachlichen Fähigkeiten wurden allerdings weniger kolportiert als andere. Wolfgang Matz schreibt in seinem aktuellen Buch (Matz, Wolfgang: 1857: Flaubert, Baudelaire, Stifter: Die Entdeckung der modernen Literatur. Wallstein 2021):

„Stifter (heiratete) aber erst im November 1837 die Putzmacherin Amalia Mohaupt, mit der er schon lange, aber keineswegs als einziger, ein Verhältnis unterhielt. (…) Geld verdiente er wenig genug als Hauslehrer, Amalia konnte als Ehefrau kaum noch ihrem zweifelhaften Erwerb nachgehen, …. (…) Er schwärmte für die edlen Töchter seiner Brotgeber, doch zu Hause wartete Amalia, die er als leichtes und leicht zugängliches Mädchen kennengelernt und zum Entsetzen seiner Freunde tatsächlich geheiratet hatte. Sie vermochten Stifter nicht zu begreifen; natürlich, man vergnügte sich mit jenen armen Putzmacherinnen, die auch in der Liebe noch ein Zubrot verdienen mussten, aber man heiratete sie doch nicht! Stifter hatte es getan.“

Matz, a.a.O., S. 281-282

Leider finde ich zu dieser Einschätzung keine Quellenangabe, halte sie ist aber nicht für unwahrscheinlich. Im Übrigen sei Mohaupt Stifter intellektuell unterlegen gewesen; darin wurde eine Parallele zum Verhältnis von Goethe zu Christiane Vulpius gesehen (vgl. z.B.: Doppler, Alfred: Adalbert Stifters Briefe als Dokumente der Selbstdarstellung. Max Niemeyer Verlag 2007).

Stifter starb 1868 mit nur 63 Jahren; Amalia überlebte ihn um 15 Jahre. Ein Ölbild (dessen Herkunft und Quelle mir leider nicht bekannt ist) zeigt sie in würdiger Positur und nicht bestimmbaren Alter. Adalbert und Amalia Stifter waren über 30 Jahre verheiratet. Über ihr Familienleben gibt es unterschiedliche Berichte und Narrative (z.B. die oben erwähnte Verschwendungssucht Amalias, ihre Ordnungsliebe, usw.), die hier nicht weiter aufgeführt werden sollen. Stifter hat ihr jedenfalls auch sehr innige Briefe geschrieben; ob das der Idealisierung der Familienverhältnisse dienen sollte (ganz analog zum Verhalten des verehrten Goethe), wird immer wieder einmal vermutet, ist aber letztlich nicht zu belegen.

Amalia Mohaupt ist jedenfalls eine wichtige literarische Repräsentantin der Putzmacherei im 19. Jahrhundert und hat die Rezeption des Berufsstandes – auch durch die Kommentierung der zeitgenössischen Literaten – wesentlich mit geprägt.

Amalia Mohaupt
Amalia Mohaupt

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