Putzmacherei und Putzmacherin

Empfehlung für eine Putzmacherin 1835

Ein „Briefsteller für Damen“ ist für die geneigten Leser:innen auch heute noch eine lohnenswerte und gewinnbringende Lektüre. Amalia Schoppe geb. Weise hat 1835 (das zweite Titelblatt nennt als Erscheinungsdatum 1834) ein solches Buch als „Fest- und Toilettengeschenk für Deutsche Frauen“ zusammengestellt.

Die Kommunikation mit oder über eine/r Putzmacherin ist mehrmals Thema der hier versammelten Musterbriefe. Das verwundert insofern nicht, als Amalia Schoppe zeitweise eine Modezeitschrift (Neue Pariser Modeblätter, 1827-1846, Hamburg und Leipzig) herausgab (Wikipedia-Eintrag zu Amalia Schoppe sowie z.B. Krempel, Lore: Die Deutsche Modezeitschrift. Coburg 1935). Besonders aufschlussreich finde ich unter der Überschrift „Eine Dame empfiehlt ihre Putzmacherin“ das folgende Empfehlungsschreiben:

Liebe Baronin!

Sie klagten mir neulich, daß Sie mit Ihrer bisherigen Putzmacherin durchaus nicht mehr zufrieden wären, indem die Moden derselben keineswegs neu und nach dem guten Geschmack, und dazu die Arbeiten überaus theuer wären.
Da ich nun so glücklich gewesen bin, in der erst vor kurzem etablierten Demoiselle Verdier, Königstraße Nr. 1., eine sehr geschickte, geschmackvolle und dabei billige Modistin zu acquirieren, erlaube ich mir, Ihnen dieselbe dringend zu empfehlen, und hoffe, mit dieser Empfehlung Ehre einzulegen. Sie hält nicht nur die Pariser Modejournale, sondern bezieht auch die neuesten Façons direct von Paris, was keine andere hiesige Putzmacherin thut.
Ich hoffe, daß dies hinreichen wird, Sie zu Gunsten der Demoiselle Verdier zu stimmen, und empfehle mich Ihrer ferneren Freundschaft.

Ihre
Eglantine v. M., geb. v. G.

Der Text ist in mehrerlei Hinsicht aufschlussreich. Die Kriterien für die Qualität der Arbeit einer Putzmacherin werden deutlich benannt: Die Mode muss neu sein, geschmackvoll, geschickt angewandt und nicht teuer = billig. Alle Kriterien sind – natürlich – rein subjektiv; was für den einen teuer, ist für den anderen ggf. billig, usw.

Zur Qualität trägt offensichtlich bei, dass Demoiselle Verdier (selbstverständlich ein französisch anmutender Name!) die Pariser Modejournale abonniert hat und obendrein mit ihren „Façons“ direkt aus Paris beliefert wird, was sie zusätzlich heraushebt. Mit „Façons“ sind hier vermutlich Muster bzw. Rohmaterialien gemeint. Der Bezug der – 1835 nicht sehr zahlreichen – Modejournale durch eine Putzmacherin schien der Autorin ungewöhnlich bzw. ein hervorzuhebendes Alleinstellungsmerkmal zu sein.

Eine Putzmacherin finden wir im „Briefsteller“ auch noch an anderer Stelle, im Kapitel „Bestellungen“. Dort gibt es den Eintrag „Eine Putzmacherin wird bestellt“:

An Madame Minard, Modistin.

Sie haben vor einigen Tagen im hiesigen Intelligenzblatte bekannt gemacht, daß Sie so eben ganz neue Winterhüte aus Paris erhalten hätten, und ich ersuche Sie demnach, sich gefälligst mit einer hübschen Auswahl derselben bei mir einfinden zu wollen.

Ergebenst,
Elise v. E., geb. v. W.

Der Ton ist für unsere heutigen Ohren gewöhnungsbedürftig. Ein Blick auf die fiktive Absenderin zeigt, dass es sich – wie auch im obigen Empfehlungsbeispiel – um eine Frau von Adel handelt, die sich sprachlich von der Modistin abzusetzen weiß.

Amalia Schoppe geb. Weise, geboren am 9.10.1791 in Burg auf Fehmarn, gestorben am 29.9.1858 in Schenectady (New York State, USA) war eine überaus produktive Schriftstellerin und Herausgeberin.

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