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Richard Sennett zu Google Wave

In der aktuellen  ZEIT findet sich der Vorabdruck eines Vortrages des berühmten Soziologen Richard Sennet. Ausgehend von Jacob Burckhardt formuliert er: „Die Gesellschaft erzeugt Komplexität, weiß aber nicht, was sie damit anfangen soll.“

Interessant sind seine Kronzeugen. Er schildert seine persönlichen Erfahrungen mit dem Programm Google Wave, das ja nach nur einem Jahr wieder eingestellt wurde. Das Programm sollte das kollaborative Arbeiten im Internet ermöglichen. (Nebenbemerkung: Ich hatte große Hoffnungen in diese Software gesetzt, um damit gemeinsame Lernprozesse für die Teilnehmer der Hamburger Akademie zu ermöglichen).

Sennets Erfahrung ist eine komplette Desillusionierung. Google Wave erzeuge eine lineare Dramaturgie und würde die Fruchtbarkeit lateraler Diskussionen eher verhindern. „Laterales Denken ist ein wichtiger Motor der Innovation“. Damit – so Sennets Fazit – war Google Wave zu einfach, zu schlicht für die Bewältigung der Komplexität einer fruchtbaren und kreativen Zusammenarbeit. Hier hatten die Entwickler die Nutzer unterschätzt.

Eine ähnliche Unterschätzung findet Sennet interessanterweise auch in der Finanzwelt. Die Topanalysten und Banker verstehen sehr oft nicht die Werkzeuge, die sie bedienen. Die Kommunikation zwischen den Programmierern – die sich als hochklassige Handwerker verstehen – und den „Bedienern“, nach deren Bedürfnissen die Software eigentlich entwickelt werden sollte, funktioniert in der Regel nicht.

Als Soziologen interessiert Sennet das Verhältnis zwischen den gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung. „Was die materielle Seite des Lebens betrifft, entwickeln unsere mdernen Kulturen einen immer höheren Grad an Komplexität. Aber der kooperative Gebrauch dieses Reichtums bleibt rudimentär.“

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