Allgemein Putzmacherei und Putzmacherin

Hüte im Außenhandel 1905

Hüte aus Stroh, Rohr, Bast usw. finden sich – für mich überraschend – in der Außenhandelsstatistik des Deutschen Zollgebietes. Unter der Überschrift „Spezialhandel des deutschen Zollgebiets“ berichtet die Zeitschrift „Der Damenputz“ über den Absatz der garnierten Hüte ebenso wie über die ungarnierten Hüte, die (künstlichen) Blumenbestandteile und Korsette:

Spezialhandel des deutschen Zollgebiets, aus „Der Damenputz“, Berlin 1905, S. 12

Die Steigerungsraten von 1903 auf 1905 sind teils beachtlich. Besonders überrascht hat mich allerdings die hohe Exportmenge bei den garnierten Hüten. Zur besseren Übersicht habe ich die Tabellen noch einmal aufbereitet:

Außenhandelsstatistik des deutschen Zollgebiets von 1905: garnierte Hüte

In Deutschland wurden demnach relativ wenige garnierte Hüte eingeführt – das hätte ich gerade im Fall von Frankreich anders erwartet! Dagegen wurden fast eine Million Hüte exportiert, allerdings in Länder, die damals wohl modisch weniger fortgeschritten waren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber der Wert der Hüte. Eingeführt wurden Hüte im Wert von durchschnittlich (902.000 / 128.002) 7,05 Mark, während die exportierten Hüte bei 1,30 Mark lagen. Also wurde Billigware exportiert; und die wenigen importierten Hüte waren relativ teuer.

Bei den ungarnierten Hüten sieht es anders aus:

Außenhandelsstatistik des deutschen Zollgebiets von 1905: ungarnierte Hüte

Es wurden mehr ungarnierte Hüte eingeführt als ausgeführt, auch wenn beide Zahlen relativ hoch sind. Die Zahl der Importe aus Italien sticht besonders hervor – Italien war insbesondere berühmt für feine Strohhüte, die sehr gefragt waren. Erstaunlicherweise wurden auch ungarnierte Hüte nach Frankreich exportiert. Die Zahl der „Sonstigen“ ist besonders bei der Ausfuhr sehr hoch, hier scheinen viele kleinere Länder beliefert worden zu sein.

Wertmäßig ist der Unterschied zwischen Ein- und Ausfuhr nicht sehr groß. Ein exportierter Hut stellte einen Wert von ca. (2.675.000 / 2.285.906) 1,17 Mark dar. Bei den ausgeführten Hüten betrug der Wert ca. 1,10 Mark.

Die wirtschaftliche Relevanz der Hut- und Putzindustrie wird von mir in einem weiteren Beitrag noch einmal detaillierter untersucht, insbesondere, weil bei den hier vorgestellten Zahlen nicht klar erkennbar ist, wie groß der Anteil der Damen- bzw. Herrenhüte ist.

Noch kurz eine Anmerkung zur Quelle. „Der Damenputz. Neue Folge der Coiffure“ erschien als „Die Coiffure“ seit 1868 (Quelle: Krempel, Lore: Die deutsche Modezeitschrift. Coburg 1935, S. 121). Im Bibliothekskatalog wird der Zeitraum „1879-1897“ genannt, der allerdings der eigenen Zählung der Zeitschrift widerspricht:

Titel der Zeitschrift „Der Damenputz. Neue Folge der Coiffure“ vom 15.10.1906

Die „Neue Folge der Coiffure“ war 1906 bereits im 39. Jahrgang, muss also 1867 erstmalig erschienen sein. Ab 1868 erschienen dann wohl die regulären Ausgaben.

Seit 1906 und bis zum Jahr 1936 setzte dann „Der Damenputz“den Titel fort; die Zeitschrift war „alleiniges amtl. Organ d. Reichsverbandes des Deutschen Putzmacherhandwerks e.V. u. sämtl. angeschlossener Landesverbände, Innungen u. Vereinigungen“. Ab 1937 nannte sie sich „Hut und Putz, neue Folge des Damenputz, vereinigt mit „Das österreichische Modegewerbe“. Die Zeitschrift wurde 1941 eingestellt.

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