Fundstücke Textiles

Modekupfer abgekupfert – Abbildungen Pariser Mode 1838

In sonntäglichen Müßiggang habe ich durch alte Modezeitschriften geblättert. Ich besitze eine ganze Anzahl aus dem 19. Jahrhundert. Erstaunlich, wie oft die beigefügten Modekupfer unterschiedlichster parallel erscheinender Zeitschriften als „Modes de Paris“ betitelt wurden! Insgesamt habe ich für das Jahr 1838 mehrere solcher Beispiele in meiner Sammlung gefunden:

Links: Modes de Paris (unbekannt). Mitte: Journal des Dames et des Modes, Francfort s.M. Rechts: Petit Courier des Dames.

„Modes de Paris“ galt als Qualitätsnachweis, – Mode kam eben aus Paris! Nur in einigen Fällen konnte ich auch ein „Modes de Vienna“ entdecken. Die französische Bezeichnung war unabdingbar.

Die Produktion der Stiche entstand in späteren Jahren auch schon einmal zentral für verschiedene Zeitschriften. Bei Erna Lehmann (Die Entwicklung und Bedeutung der modernen deutschen Modepresse. Dissertation. Mannheim/Heidelberg o.J. (1913)) findet sich eine interessante Quelle. Sie zitiert einen Bericht in der Vossischen Zeitung vom 05. Oktober 1864:

„Die illustrierte Muster- und Modezeitung „Victoria“ liefert durch ihre kolorierten Modekupfer einen interessanten Beweis von dem Aufschwung und den Fortschritten der deutschen Industrie; denn trotz der französioschen Unterwschrift des einen Teils der Auflage: „Le Salon. Moniteur des Modes Parisiennes“ werden jene Modekupfer … nicht in Paris, sondern in den Geschäfts- und Arbeitslokalen der „Victoria“ entworfen und ausgeführt. In dem Redaktionszimmer dieser Zeitung werden sie nach französischen Originalproben entworfen, von den Malern in reizenden Aquarellbildern veranschaulicht, in dem Kupferstichatelier gestochen, durch vier Pressen vervielfältigt und in der Kolorieranstalt in Spandau, wo gegen 40 Personen den ganzen Tag über mit fein zugespitzten Pinselchen tätig sind, koloriert. Ganz dieselben Modekupfer werden mit der deutschen Auflage der „Victoria“ als Gratisbeilage ausgegeben und führen die ursprünghliche Unterschrift „Beilage zur Victoria“, welche dann in das französische „Le Salon, Moniteur des Modes Parisiennes“ ungewandelt wird.“

Lehmann, Erna, a.a.O., S. 31


Immerhin 40 Personen stellten die Kolorierung sicher! Dass es Unterschiede gab, wundert dennoch nicht. Mir liegen einige Blätter als Doublette vor, sowohl in einem gebundenen Buch (Modekupfer wurden oft gesammelt und sogar gesondert aufgebunden) wie auch als Konvolut loser Seiten mit je dazugehöriger Textseite. Im Vergleich kann man schön erkennen, wie genau die (wohl unterschiedlichen) Kolorist*innen gearbeitet haben – und welche Unterschiede es gleichzeitig zu entdecken gibt. Besser als das tägliche Suchbild in der Zeitung!


Gut erkennbar ist z.B., dass – auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Papieralterung – der Farbton der Herrenhose deutlich differiert. Beim Damenkleid ist bspw. die unten angenähte Spitze im unteren Beispiel mit blau „gehöht“, wohl als Ausdruck der Transparenz. Und die Blumen im Kopfputz der linken Dame sind leicht unterschiedlich koloriert.

Den Textteil zur obenstehenden Abbildung möchte ich hier nicht unterschlagen:


Zwischen den Modezeitungen wurde 1838 aber noch kräftig „abgekupfert. Hier folgen ein paar schöne Beispiele:


Das weiße Kleid in der Mitte des linken Bildes entspricht bis in letzte Kleinigkeiten hinein dem Kleid, das in dem anderen Bild rechts außen abgebildet ist. Selbst die Pose (mit Sonnenschirm!) ist identisch. Eine spiegelbildliche Doppelung, die so sehr einfach zu reproduzieren war.


Auch in diesem Beispiel ist das Kleid wieder sehr genau „gespiegelt“, ebenso wie der Herrneanzug. Auch hier wieder stimmt die Pose beiden Blättern überein, mitsamt dem Gewehr bzw. der Gartenbank, auf die sich die Dame lässig stützt.

Anna Zika zitiert in ihrem Buch (Ist alles eitel? Zur Kulturgeschichte deutschsprachiger Modejournale zwischen Aufklärung und Zerstreuung 1750-1950. VDG, Weimar 2006, S. 172) die Vorrede zu Nr. 1 (1865) der Zeitschrift „Die Mode. Journal für Damentoilette. Mit Pariser Original-Modebildern, Muster- und Schnittmuster-Beilagen“. Hier wird deutlich, wie wichtig der Wettbewerb um die „echten“ Pariser Modebilder auch 1865 noch gewesen sein muss:

„Dieses Blatt …. enthält sehr ausführliche Original-Modeberichte von sachkundiger Hand; es bringt außer den prachtvollsten Pariser Damenkupfern (z.B. aus Le Follet) allmonatlich einen Pariser Original-Stahlstich … Die Mode bringt all diese Pariser Original-Kupfer und Beilagen 3 Wochen früher als alle ähnlichen Journale dies zu thun im Stande sind, da diese erst nach den Pariser Originalbildern schwache und oft undeutliche Nachbildungen anfertigen lassen.“

Zitiert in: Zilka, a.a.O., S. 172


Natürlich ist es möglich, dass die beiden oben angeführten Beispiele einfach von derselben (französischen?) Quelle zehrten. Möglich wäre das. Hier bleiben noch einige Fragen offen…

One thought on “Modekupfer abgekupfert – Abbildungen Pariser Mode 1838

  1. Himmel, was gibt es nicht alles, von dem mir noch nie etwas begegnet ist!
    Das sind zuberhafte Blder, die einen richtig in die Welt des 19. Jahrhunderts entführen.

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