Putzmacherei und Putzmacherin

Putzmacherin oder Modistin?

Nur wenige kennen heute noch den Begriff „Putzmacherei“, auch wenn die Putzmacherin (es gab so gut wie keine männlichen Putzmacher) besonders im 19. JH eine wichtige Rolle im Modegeschehen spielte. Der Beruf wurde später mit dem des Modisten verschmolzen. Zitat zur Modistin bei Wikipedia:

„Als duale Ausbildung wurde der Beruf in Deutschland 1938 erstmals staatlich geregelt. In dieser Zeit entstanden die Ausbildungsberufe der Hutgarniererin, des Hut- und Mützenmachers (1939) sowie des Putzmachers. Diese drei Berufe wurden 1959 im gemeinsamen Ausbildungsberuf des Putzmachers vereint und 1969 als Ausbildung zum Modisten aktualisiert.“

Hier sei die alte Definition aus dem Buch „Das moderne Putzfach“ von Anna Pabst (1916) zugrunde gelegt, auch wenn in ihren Anfangszeiten die Putzmacherei noch wesentliche andere Tätigkeiten (eben den umfassenden Aufputz der Frauen betreffend) umfasste:

„Das Putzfach repräsentiert den Teil der Modebranche, welcher sich mit der Herstellung von aller Art Hüten und Kopfbedeckungen für Frauen und Kinder beschäftigt. In der Hauptsache werden im Putzgeschäft die aus den Fabriken bezogenen Stroh- und Filzhüte garniert, sowie die vollständige Herstellung von Phantasie- und Atelierhüten ausgeführt. „

Anna Pabst, Das Moderne Putzfach, 1916

Die Putzmacherei hat im 19. JH einen grundlegenden Wandel erfahren. Während noch im 18. Jahrhundert elaborierte Frisuren und Hutkonstruktionen der Oberschicht einer professionelle Unterstützung bedurfte, war spätestens im Klassizismus der (Nach-)Napoleonischen Ära eine neue Einfachheit gefragt. Gleichzeitig zeigt sich im späten Biedermeier eine Rückkehr in eine “neue Häuslichkeit”. Die Fähigkeit des rechten “Putzen” gehörte zur Bildung einer jeden guten Hausfrau. Dies bezeugen die entsprechenden hauswirtschaftliche Literatur der Zeit. Gleichwohl bot sich in der Putzmacherei für Frauen eine Chance, sich in einem Beruf selbständig zu machen, in dem es keine Konkurrenz durch dominante Männer gab. Putzmacherei bewegte sich außerhalb des Zunftwesens, das allerdings die Hutmacherei trug und schützte. Es scheint – abgesehen von einer Lieferantenbeziehung zum Produzenten von Rohstumpen – keine enge Verbindung zwischen beiden “Gewerken” gegeben zu haben.

In den weiteren Beiträgen werden die verschiedenen Aspekte der Putzmacherei aufgegriffen und diskutiert.

2 thoughts on “Putzmacherin oder Modistin?

  1. Stimmt, im Wort „Kopfputz“ findet man den Begriff noch wieder… Interessante Gedanken, auch die Hypothese am Ende – ob es wohl Literatur dazu gibt? Verstehe ich das richtig – die Abgrenzung durch die Art des Kopfputzes wurde abgelöst durch die Möglichkeit, sich durch sein Auto, seine Frisur etc. zu unterscheiden bzw. auszudrücken?

  2. Wenn auch die Berufsbezeichnung „Putzmacherin“ nur noch der Nachkriegsgeneration präsent sein mag, hat sich der „Kopfputz“ länger gehalten. Es ist wohl der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ zu verdanken, dass Hüte als Distinktionsmerkmale der Schichten an Bedeutung verloren. Ob die im Wortsinne herausragende Stellung der Kopfbedeckung auch im übertragenen Sinne Leitfunktion hat, könnte eine Untersuchung wert sein. Gängige Hypothesen scheinen das Aufkommen des Automobils und individueller Frisuren zu sein.

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