Putzmacherei

Putzmacherei?

Nur wenige kennen heute noch den Begriff „Putzmacherei“, auch wenn die Putzmacherin (es gab so gut wie keine männlichen Putzmacher) besonders im 19. JH eine wichtige Rolle im Modegeschehen spielte. Hier sei die Definition aus dem Buch „Das moderne Putzfach“ von Anna Pabst (1916) zugrunde gelegt, auch wenn in ihren Anfangszeiten die Putzmacherei noch wesentliche andere Tätigkeiten (eben den umfassenden Aufputz der Frauen betreffend) umfasste:

„Das Putzfach repräsentiert den Teil der Modebranche, welcher sich mit der Herstellung von aller Art Hüten und Kopfbedeckungen für Frauen und Kinder beschäftigt. In der Hauptsache werden im Putzgeschäft die aus den Fabriken bezogenen Stroh- und Filzhüte garniert, sowie die vollständige Herstellung von Phantasie- und Atelierhüten ausgeführt. „

(Anna Pabst, Das Moderne Putzfach, 1916)

Die Putzmacherei hat im 19. JH einen grundlegenden Wandel erfahren. Während noch im 18. Jahrhundert elaborierte Frisuren und Hutkonstruktionen der Oberschicht einer professionelle Unterstützung bedurfte, war spätestens im Klassizismus der (Nach-)Napoleonischen Ära eine neue Einfachheit gefragt. Gleichzeitig zeigt sich im späten Biedermeier eine Rückkehr in eine “neue Häuslichkeit”. Die Fähigkeit des rechten “Putzen” gehörte zur Bildung einer jeden guten Hausfrau. Dies bezeugen die entsprechenden hauswirtschaftliche Literatur der Zeit. Gleichwohl bot sich in der Putzmacherei für Frauen eine Chance, sich in einem Beruf selbständig zu machen, in dem es keine Konkurrenz durch dominante Männer gab. Putzmacherei bewegte sich außerhalb des Zunftwesens, das allerdings die Hutmacherei trug und schützte. Es scheint – abgesehen von einer Lieferantenbeziehung zum Produzenten von Rohstumpen – keine enge Verbindung zwischen beiden “Gewerken” gegeben zu haben. In den weiteren Beiträgen werden die verschiedenen Aspekte der Putzmacherei aufgegriffen und diskutiert.

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