Putzmacherei und Putzmacherin

La Marchande de modes de Marie-Antoinette: Rose Bertin

Rose Bertin war die vielleicht berühmteste Putzmacherin bzw. Modistin der Geschichte. Sie gilt als erste Modeschöpferin in dem Sinne, wie wir den Begriff heute verwenden. Üblich war zu ihrer Zeit die Bezeichnung einer „Marchande de modes“; dies umfasste den Handel mit Modeartikeln, beinhaltete aber auch die Herstellung und Kreation modischer Bekleidung. Rose Bertin verstand es, diese kreative Leistung zu einer Art Marke auszubauen, und konnte so Preise für ihre Leistungen und Produkte erzielen, die weit über den Wert von Material und Arbeit hinausgingen. Darin unterschied sie sich von ihren Mitbewerbern – solche „Marchands de modes“ gab es naturgemäß viele in einer Stadt wie Paris, in der ein großer prunkvoller Hofstaat zu versorgen war.

Einen der ersten Romane über Rose Bertin verdanken wir dem Autor Émile Langlade: La Marchande de Modes de Marie-Antoinette, Rose Bertin. Albin Michel, Paris o.J. (1911).

Langlade Marchande de Modes Titel
Titelblatt: La Marchande de Modes de Marie Antoinette, Rose Bertin, von Émile Langlade

Im Vorwort präzisiert Langlade, es handele sich nicht um einen Roman, sondern eher einen Tatsachenbericht. Er schreibt über sich als Autor:

„… il n’a point laissé courir au hasard une fantaisiste imagination; il a préféré s’en tenir aux faits et s’en rapporter aux documents.“

Langlade, Émile: La Marchande de Modes de Marie-Antoinette. Rose Bertin. Albin Michel, Paris o.J. (1911), S. VI

Langlade schreibt sehr detaillgetreu, es ist ihm offensichtlich wichtig, immer wieder auch seine Quellen zu betonen. Damit wird seine – ja, vielleicht am besten: biografische Erzählung – leider ziemlich unübersichtlich. Für uns heutige Leser:innen ist es nicht leicht, ihm in seinen immer wieder neuen Komplikationen zu folgen. Die Vielzahl der Personen, die Aufzählung kleinster Anlässe als Nachweis seiner Quellentreue führen zu einer sich steigernden Ermüdung. Langlade beschreibt Aufstieg und Fall der Rose Bertin, und er tut das in jeder Hinsicht erschöpfend.

Émile Langlade, geboren am 21.12.1863 in Boulogne-sur-Mer, gestorben 1939, war Autor einer Vielzahl von Werken. Im mir vorliegenden Band werden 3 Gedichtbände angezeigt (Les Propylées, A travers la Haine, La Plante merveilleuse de Tintagel), ein literarisches Werk ( Jehan Bodel) und ein Kunstbuch (Les Artistes Artésiens aux Salons 1903-1910). Weitere Bücher folgten, manche wurden ins Englische übersetzt, und einige Titel sind im Internet zu finden. Mehr – gar einen Wikipedia-Eintrag – gibt es nicht. Aber immerhin ein Porträt, das ich in einem Versteigerungskatalog von iNumis gefunden habe. Urheber ist Pierre Turin, ein nicht unbedeutender Medaillenschneider seiner Zeit, Langlade hier offensichtlich anlässlich seines 67. Geburtstages (AET. LXVII) würdigt. Das Jahr muss irgendeine Bedeutung in Laglandes Leben gehabt haben …

Emile Langlade, Medaille von Pierre Turin 1930
Émile Langlade, Medaille von Pierre Turin, 1930

Als Fachlektüre für die Putzmacherei bleibt das Buch (dennoch) eine Quelle von Informationen über die politische Wendigkeit und unternehmerischer Brillianz von Rose Bertin mit so manchem Hinweis auf ihre besonderen Kreationen.

Als Postscript: Die „falsche“ Schreibweise auf dem Buchrücken (Marchande de / des modes) ist mir auch aufgefallen. Ich habe mich am Text orientiert.

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