Fundstücke Putzmacherei und Putzmacherin

… und übernahm am Goetheplatz das Geschäft einer Jüdin

Diesen Halbsatz finde ich in einem Interview, das Marie-Luise Töller Anfang der 90er Jahre mit Putzmacherinnen in Rheinland-Pfalz geführt hat (Reitz-Töller, Marie-Luise: Die Putzmacherin. Ein weibliches Handwerk. Gesellschaft für Volkskunde Rheinland-Pfalz, Mainz 1998, hier: S. 123)

Frankfurter Goetheplatz mit Gutenbergdenkmal. Postkarte, o.J.

Zur Geschichte jüdischer Putzmacherinnen ist kaum etwas zu finden. Auf jüdische Hutgeschäfte habe ich im Zusammenhang mit dem Arbeitsbuch der Putzmacherin Gertrud Knop bereits hingewiesen. Vom vorliegenden Interview mit Margarete Jensen schreibt Reitz-Töller: „1938 machte sie in Frankfurt ihre Meisterprüfung und entschloss sich, selbständig zu werden. Ihr eigenes Geschäft eröffnete sie dann Anfang der vierziger Jahre und übernahm am Goetheplatz das Geschäft einer Jüdin“. Die zeitliche Einordnung darf mit einem Fragezeichen versehen werden. In einem Artikel der Frankfurter Zeitung („Jüdische Unternehmen in Frankfurt; Boykottiert, drangsaliert, zum Verkauf gezwungen„, FAZ, 8.11.2013) führt der Autor, Manfred Köhler, aus: „Schon im Mai 1939 meldete die Industrie- und Handelskammer, dass von den etwa 300 Geschäften in jüdischem Eigentum, die im Juni 1938 noch bestanden hatten, lediglich vier noch nicht in anderes Eigentum übergegangen seien.“ Es ist unwahrscheinlich, dass das von Margarete Jensen übernommene Geschäft eines dieser vier Geschäfte war.

Hier kann nicht die Problematik des Zwangsverkaufs und der „Arisierung“ jüdischer Geschäfte behandelt werden. (Mit Bezug auf die Textilindustrie ist ein interessanter Sammelband erschienen: „Juden in der Textilindustrie. Herausgegeben von Karl-Hermann Blickle und Heinz Högerle im Auftrag des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb. Barbara Staudacher Verlag, Horb 2013.“)

Der zitierte Halbsatz – den so Marie-Luise Reitz-Töller aus der Erzählung ihrer Interviewpartnerin Margarete Jensen destillierte – mag Anlass sein, sich zu gewärtigen, dass auch die Verhältnisse in der Putzmacherei nicht anders waren als im Rest der (Geschäfts-) Welt des Dritten Reiches.

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