Fundstücke Putzmacherei und Putzmacherin

Die Lehrzeit der Putzmacherin Frieda Hansen 1929-1932

Über ihre Lehrzeit 1929-1932 in Nürnberg berichtet Frieda Hansen in ihren Erinnerungen, die wohl als Privatdruck erschienen sind (Hansen, Frieda: Als es noch keine „Azubis“ gab. Meine Lehrzeit von 1929-1932. Fahner Druck, Lauf 1999).

Titelbild der Erinnerungen von Frieda Hansen

Es handelt sich hier um ein klassisches Erinnerungsbuch; die Autorin, geboren 1913, beschreibt klar und unprätentiös ihre Lehrzeit und ihre damaligen Lebensverhältnisse. „Mein Leben war durch einen sehr strengen, dikatorischen Vater sehr eingeschränkt, so dass es mir grau in grau erschien“ (S.5). Eine Lehrstelle durfte sie nur nach Fürsprache einer Freundin der Mutter suchen.

Auszug aus dem Lehrlingsvertrag von Frieda Hansen

„Unsere Arbeitszeit war von morgens acht Uhr bis abends sieben Uhr. Eine Stunde war Mittagspause“ (S. 21), in der Frieda Hansen dann Besorgungen für ihre Lehrherrin zu erledigen hatte. Außerdem musste sie früher kommen, um anzuheizen, und konnte erst später gehen. In der „stillen Zeit“ (außerhalb der Saison) waren auch quasi private Arbeiten für die Lehrherrin auzuführen. Sowohl die Arbeitszeiten als auch die „Verwendung“ der Lehrlinge war wohl nicht unüblich, bis in neueste Zeiten wurden sie häufig für lehrfremde Arbeiten eingesetzt.

Als Lehrling war Frieda Hansen durch den Lehrvertrag geschützt. Alle anderen Arbeiterinnen wurden entlassen. Das führte dazu, dass sie über eine mehr oder weniger gesicherte Position verfügte. Da sie außerdem sehr gut arbeitete (und in der stillen Zeit z.B. einige Hüte auf Vorrat anfertigen durfte), wurde sie von den anderen Arbeiterinnen beneidet. Ein guter Lehrling ersetzte schnell eine andere Arbeitskraft, die dann ggf. für die Saison nicht wieder eingestellt wurden. Auffallend auch, dass eben immer dieselben Arbeiterinnen eingestellt und entlassen wurden. Für die Kund*innen der Saison gab es also eine gewisse Kostanz in der Ausführung und der Belegschaft.

Später absolvierte Frieda Hansen noch die Handelsschule. Sie musste sich das Schulgeld selbst verdienen. Daher arbeitete sie nebenher noch in einer Firma in Darmstadt, deren Geschäftsumfang beträchtlich war: „Damenhüte Dohmen Nachf., Blumen – Federn – Atelierhüte – Modelle“. Dort erhielt sie 1935 ein sehr gutes Zeugnis: „Ihre Leistungen waren die besten“. Zu ihren Aufgaben gehörte auch das Nacharbeiten von Hüten. „Manchmal wurde ich auch zu Hutausstellungen in Frankfurt mitgenommen. Die dort gesehenen Hüte mußte ich dann im Geschäft nacharbeiten“. Das Zeugnis umfasst die Zeit vom 15.09.1932-30.04.1935; das dürfte auch die Dauer des Besuches der Handelsschule gewesen sein.

Über ihr weiteres Leben berichtet sie nur wenig. „Mein Vater hat mich in eine glück- und freudlose Ehe hineingetrieben.“ Erst spät kann sie sich daraus lösen: „Als meine ersten Kinder verheiratet waren und Gerhard bald vierzehn, sowie ich am Ende meiner Gesundheit, durch die ständigen Quälereien des sadistischen Ehemanns, reichte ich die Scheidung ein. Die Justiz, diese unheimliche Maschinerie, stahl mir noch sechs weitere Lebensjahre, bis endlich 1970 die Scheidung ausgesprochen wurde“. Ihre große Liebe, den Schauspieler Max Hildenbrand, hatte sie in den 30er Jahren nicht heiraten können. Nun aber gibt es ein versöhnliches Ende: „Im Jahr 1979 heiratete ich zum zweiten mal, eine ganz lieben, süßen Dänen, deshalb heiße ich jetzt Frieda Hansen.“ Die Erinnerungen wurden 1998 geschrieben – nach immerhin fast 20 Jahren einer offensichtlich glücklicheren Ehe.

Das Erinnerungsbuch der Frieda Hansen ist nicht als „Literatur“ gedacht, vielmehr ein privater, für die Leser*innen teils erschütternder Lebensbericht. Interessant ist er in seiner unverblümten Schilderung einer Lehrzeit, die in gewisser Weise für viele Putzmacherinnen der Zeit „normal“ gewesen sein dürfte.

Literarische Verarbeitungen des Themas „Putzmacherin“:

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