Putzmacherei und Putzmacherin

Max von Schlägel: Die Putzmacherinnen (1871)

Nicht oft tauchen Putzmacherinnen gleich im Titel eines Romans auf; entsprechend neugierig war ich, als ich ein Buch dieses Titels entdeckte. Wir verdanken es Max von Schlägel, der im Untertitel gleich verrät, um was es geht: „Eine Geschichte, wo sie sich kriegen“. Zu erwarten war also eher leichte Kost …

Titelblatt von Die Putzmacherinnen von Max von Schlägel 1871
Titelblatt von Die Putzmacherinnen von Max von Schlägel 1871

In der Tat. Es gibt wieder einmal die üblichen Zutaten zu einer verwickelten Liebesgeschichte. Eine adlige, reiche Erbin flieht vor einem Verehrer zu ihrer Putzmacherin und gibt vor, dort zu arbeiten. Dabei nutzt sie sich den Namen einer dort beschäftigten Putzmacherin, die gerade unterwegs ist (alles mit Billigung der Inhaberin). Die Abwesende hat aber auch einen Verehrer – der wiederum der Bruder der jungen reichen Erbin ist, ein rechter Tunichtgut. Es kommt in der Folge zu einigen Verwechslungen und Prüfungen (kann man als reicher Mensch eine arme Putzmacherin heiraten?); und am Ende – genau, kriegen sie sich alle.

Immerhin – ein Putzmachergeschäft spielt eine Rolle, die Arbeit der Putzmacherei wird kurz angedeutet, und auch die ältliche Inhaberin findet ihre alte Jugendliebe wieder. Hurra! Außerdem verdanken wir diesem – Roman – eine Zuschreibung, die in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist:

„… mit jener bewunderungswürdigen Fertigkeit, die Dinge auf den Kopf zu stellen, wie sie nur Frauen und vorzugsweise Putzmacherinnen unbestritten angehört.“ (ebd., S.116). Unbestritten. Nun ja.

Der Erzähler Max von Schlägel, geboren 1840 in München, „quittierte 1863 den Militärdienst und ging nach Paris. Nach seiner Rückkehr war er politisch tätig. Einer Anklage wegen Hochverrats entzog er sich durch die Flucht in die Schweiz. 1870 wurde er als Kriegsberichterstatter von den Franzosen gefangengenommen. Nach seiner Freilassung lebte er als freier Schriftsteller in verschiedenen europäischen Ländern.“ Meine Quelle für diese Info ist die Website vom „Institut Deutsche Adelsforschung“. Erstaunlicher Weise finde ich fast denselben Wortlaut auf der Seite „peoplepill“, hier allerdings auf Russisch (das konnte ich dank Übersetzungssoftware feststellen) und mit einem sehr umfangreichen Verzeichnis der Bücher von Max von Schlägel:

«Vier Jahre Soldat» (1868); «Die Bachantin» (1869); «Die Putzmacherinnen» (1870); «Feuerseelen. Absonderliche Menschen und Schicksale» (1870); «Aus drei Kriegen» (1866); «Tolle Liebe» (1870); «Von Sünde zu Sünde» (1870); «Wildes Blut» (1871); «Stereoskopen» (1872); «Die Helden der Arbeit» (1872); «Gefangen und belagert» (1871); «Pariser Totentanz» (1872); «Die Wilden der Gesellschaft» (1873); «Vom Fels zum Meer» (1873); «Novellen» (1872); «Die Gletscher-Amazone» (1874); «Siege der That» (1874); «Der Kometenprinz» (1874); «Die Ritter der Gegenwart» (1875); «Die Volksbeglücker» (1875); «Die Gründer» (1875); «Graf Ketlan, der Rebell» (1876); «Prinzess Rothaar» (1877); «Deutsch und welsch» (1877); «Am Genfersee» (1878); «Für Thron und Altar» (1878); «Der baumwollene Husar und andere Novellen» (1883); «Die Alpensängerin» (1885); «Hartes Holz» (1886); «Neue Novellen» (1886).

Die Titel sind schon recht sprechend. Als gedruckte Bücher sind nur wenige zu finden, ich vermute, dass es sich um Fortsetzungsromane für die Gartenlaube und ähnliche Zeitschriften gehandelt haben wird. Und „Die Putzmacherinnen“ von 1871 – ist einfach ein Muss für Liebhaber*innen solcher Literatur.

Wikipedia kennt übrigens einen „Maximilian von Schlägel, auch Schlaegel, geboren 1788 und gestorben 1863; dieser Namensvetter war ein königlich bayerischer Offizier. Der einzige seiner vier Söhne (es gab auch noch drei Töchter), der ihn überlebte, starb 1870 – es kann sich also nicht um dieselbe Familie gehandelt haben…

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Literarische Bearbeitungen der Putzmacherei:

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